Arkebusierrüstung Pedro II.

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Pedro II. König von Portugal

Die Arkebusierrüstung Pedro II., König von Portugal (* 26. April 1648 in Lissabon; † 9. Dezember 1706 im Schloss Alcântara) ist eine Rüstung die um 1683 von dem englischen Plattner Richard Holden (Aufzeichnungen seiner Arbeit von 1658–1708) gefertigt wurde. Bei der Rüstung handelt es sich nicht um ein Paradestück, sondern um eine schwere Rüstung die mit einem kugelsicheren Panzer für den Kampf hergestellt wurde. Solch eine Rüstung konnte nur von einem trainierten, kräftigen Mann längere Zeit getragen werden, die Pedro II. auch wohl war[1].

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Arkebusierrüstung Pedro II., König von Portugal ist von der Machart eine Typische englische Arkebusierrüstung der Zeit, wie sie bis etwa zum Jahre 1645 im Gebrauch waren. Sie besteht aus einem Helm mit klappbarem Stangenvisier, einem Brust und Rückenpanzer sowie Unterarmröhren und einem unter der Rüstung getragenen Ledermantel (engl., "Buff coat" oder "Jerkin"). Die Bauart gleicht den allgemein üblichen Rüstungen mit dem Unterschied das er von höherer Qualität ist.

  • Helm

Der Helm ist eine typische Zischägge (engl., "Lobster helmet") englischer Bauart mit einem klappbaren, mit drei Stangen versehenem Stangenvisier und einem vierfach geschobenen Nackenschutz, sowie festen Wangenklappen. Das Visier ist mit floralen Mustern und gepunkteten Verzierungen graviert. Auf der Helmvorderseite ist eine Krone, sowie die Buchstaben "PR" (Petrus Rex) unterhalb der Krone graviert.

  • Brust- und Rückenpanzer

Der Brust. und Rückenpanzer ist in typischer englischer Bauart gefertigt, jedoch im ganzen durch Wärmebehandlung gebläut und mit einer aufwendigen Dekoration versehen, die als breite Bänder vertikal auf der Rüstung angebracht ist. Die Bänder sind mit einem gravierten Muster von ovalen Medaillons mit Waffentropäen darin versehen und im Anschluss feuervergoldet. In den Bändern ist auch das gekrönte Monogramm des Trägers zu sehen das aus den Buchstaben "PR" (Pedro Rex) gebildet wird. Innerhalb der breiten Bänder sind Panoplien mit Musikinstrumenten, Waffen- und Rüstungstrophäen und Flaggen angebracht, die sich mehrfach wiederholen. Die Bänder unterteilen den Brustpanzer in Felder und begrenzen die einzelnen Teile der Rüstung. Der Verschluss erfolgte über zwei Gurtbänder, die auf beiden Schultern am Rückenpanzer angebracht sind und zum Verschluss an fünf auf dem Brustpanzer befestigten Bolzen dienen. An deren Spitzen sind goldene Quasten angebracht. Auf dem Rückenpanzer sind zwei breite Balken vertikal graviert und vergoldet angebracht, auf jeder Körperseite einer.

Der Brustpanzer ist mit einer zusätzlichen Verstärkungsplatte versehen, die den Panzer für die damalige Munition kugelfest machte. Auf der linken Brustseite ist das Kreuz der Kommandeure des portugisischen Christusordens eingraviert und auf der Brust die Ordenskette eines Ritterordens mit dem dazugehörigen Medaillon. Durch die massive Bauweise wiegt allein der Brustpanzer 4,54 kg und mit der Verstärkungsplatte 9,3 kg.

An der linken Seite, nur wenig von der Mittellinie entfernt, ist eine Delle zu finden, die wohl die Reste einer Beschlagmarke, eine Beschussprobe oder auch einen Treffer einer Musketenkugel oder Pistole sein könnte.

Eine seltsame Besonderheit sind zwei längliche, vertikale Einschnitte auf jeder Schulter einer, die keinem erkennbaren Zweck dienen. Es wirde vermutet das sie zur Befestigung von weiteren Schulterbändern dienten, um Gewicht der Brustplatte und evtl. der Verstärkungsplatte zum Turnier von der Brust wegzunehmen und es auf die Schultern und den Rücken zu verteilen. Dies hätte Sinn ergeben, wenn die Lederriemen innen an der Rüstung angebracht worden und durch die Schlitze nach hinten geführt und dort innen befestigt worden wären. Ein erklärendes Beispiel dieser Verwendung findet sich an den Rüstungen von Heinrich VIII., bei denen eine komplexere Brustplatte gefertigt wurde und die nur an drei der Rüstungen, die in den Greenwich Workshops gefertigt wurden zu finden sind und zwar in der Rüstung Pedro II., in Heinrich VIII."Genouilhac-Rüstung" und in der Rüstung Heinrich VIII. von 1540, die sich in den Sammlungen der Royal Armouries im Tower of London befinden. Womöglich die einzigen ihrer Art die je hergestellt wurden[2].

  • Panzerhandschuhe

Von dem Unterarmpanzer, der mit einem Handschutzansatz versehen ist und bis zum Ellbogen reicht, nur der linke erhalten, wobei zu dieser Rüstungsart auch nur der Waffenarm gepanzert war, da er zum Ladevorgang und dem Abfeuern von Schusswaffen frei bleiben musste. Dieser ist im selben Stil wie die übrige Rüstung verziert. der Armteil des Handschuhs besteht aus drei Platten, die so angeordnet sind, das der Unterarm geschützt und das Handgelenk nur nach innen hin bewegt werden kann. Vier geschobene, kleine Platten verlaufen bis zu den Fingerknöcheln und ragen bei geschlossener Hand etwas über die Knöchel heraus. Die Finger des Handschuhs sind nicht erhalten. Eine Geschüeplatte setzt dort an, wo der Daumen beginnt. Ein Knopfloch ist am Daumenbereich vorhanden, das dazu diente die Innenpolsterung aus mit Stoff überzogenem Leder einzuknöpfen[3].

  • Mantel

Der Ledermantel der unter der Rüstung getragen wurde war für diese Rüstung und die Zeit ihrer verwendung typisch. Diese Mäntel stellten eine gelungene Mischung aus Beweglichkeit und Schutz dar, da das Leder sehr guten Schutz gegen schneidende Hiebe mit den damals verwendeten Schwertern bot. Die Rüstung ist nachweisbar im typischen Stil Richard Holdens gefertigt, von dem fast eine identische Rüstung König James II. von England in den Royal Armouries im Tower von London erhalten ist[4], [5].

Wiederherstellung[Bearbeiten]

Die Rüstung wurde am Londoner Kunstmarkt vom Metropolitan Museum angekauft. Zu dieser Zeit war sie stark verrostet und Teile der Rüstung waren beschädigt oder fehlten. Der Rüstmeister des Metropolitan Museum, Daniel Tachaux (* 1857- †1928), wurde mit der Wiederherstellung beauftragt. Dr. Bashford Dean (* 1867- † 1928), der erste Kurator der Abteilung Arms and Armour des Metropolitan Museum, der auch für die Beschaffung der Rüstung zuständig war, überwachte die gesamte Restaurierung der Rüstung. Die fehlenden Bestandteile wurden von ihm neu hergestellt und mit seinem Namen und dem Datum der Herstellung gemarkt. Am Helm war das Visier gelöst und die beiden Wangenklappen fehlten. Die Rosetten an der Helmseite wurden an die richtige Stelle zurückgesetzt, da sie falsch positioniert waren. Die vergoldeten Dekorationen waren durch vorhergehende übertriebenen und falsche Reinigungsversuche sowie das Rosten stark beschädigt. Die Metallauflagen der Schulterbänder zum Verschluss der Rüstung wurden alle eretzt, ebenso die textilen Bestandteile[6].

Herkunft[Bearbeiten]

Die Herkunft ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den Royal Workshops in Greenwich zu finden. Die Arbeit dieser Rüstung ist eindeutig englischen Stils und es gibt die Möglichkeit diese Rüstung mit anderen, die mit absoluter Sicherheit in England produzierten Rüstungen zu vergleichen. Die in den Sammlungen der Royal Armouries erhaltene Arkebusierrüstung James II. gleicht dieser Rüstung auffällig. Der Helm ist fast eine genaue Kopie des anderen, der Brustpanzer ist bei der Rüstung Pedro II. etwas schwerer, breiter und klobiger gearbeitet, die dekorativen Streifen auf dem Rückenpanzer sind identisch. Die Dekorationen auf Brust-, Rückenpanzer und Panzerhandschuhen sind sehr ähnlich gestaltet, wenn man auf die Breite der Streifen und die blanken Zwischenräume achtet. Die königlichen Monogramme sind bei beiden Rüstungen auf der Vorderseite des Helmes, zentral auf der Brustplatte und an der Stulpe des Panzerhandschuhes angebracht, die Motivauswahl ist ähnlich, die Bänder der Dekoration sind in beiden Fällen von geblüten, feinen Linien begrenzt, die Panoplien sind ähnlich, sie enthalten Waffen- und Rüstungstrophäen, Flaggen und Musikinstrumente. Auf Pedro II. Rüstung sind die Panoplien in ovalen Kartuschen angebracht, bei dem James II. sind sie ohne Kartuschen ausgeführt.

Alle diese Gemeinsamkeiten belegen das beide Rüstungen nicht nur englischer Herkunft sind, sondern auch das sie mit hoher Wahrscheinlichkeit beide vom gleichen Plattner, nämlich Richard Holden (* Swadlincote in Derbyshire-† 1709 London) hergestellt wurden. Es ist denkbar das beide Rüstungen von James II. bestellt wurden mit dem Hintergrund eine der Rüstungen als Geschenk für Pedro II. zu nutzen und die andere für sich selbst zu verwenden[7], [8].

Trivia[Bearbeiten]

Die meisten Herrscher trugen Rüstungen, die zu reinen Paradezwecken gedacht, und deshalb ein geringes Gewicht besaßen, da sie keinesfalls zum Kampf geeignet waren. Im Unterschied zu diesen ist diese Rüstung sehr schwer und voll kampftauglich. In der Folge daraus muss Pedro II. ein sehr durchtrainierter und starker Herrscher gewesen sein, da es ihm sonst nicht möglich gewesen wäre diese Rüstung längere Zeit zu tragen. Sie wird wohl Tatsachen entsprechen, da sein Biograf erwähnt, das Pedro II. in der Lage war Hufeisen mit blanker Hand zu verbiegen[9].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arbeit über die Rüstung Pedro II. von Portugal von Donald LaRocca, Metropolitan Museum New York, Seite 92, PdF-Datei, vollständig online einsehbar, (engl., eingesehen am 26. November 2013)
  2. Arbeit über die Rüstung Pedro II. von Portugal von Donald LaRocca, Metropolitan Museum New York, Seite 84-86, PdF-Datei, vollständig online einsehbar, (engl., eingesehen am 26. November 2013)
  3. Arbeit über die Rüstung Pedro II. von Portugal von Donald LaRocca, Metropolitan Museum New York, Seite 86, PdF-Datei, vollständig online einsehbar, (engl., eingesehen am 26. November 2013)
  4. Website des Metropolitan Museum, (engl., eingesehen am 14. November 2013)
  5. Informationen über Richard Holder auf der Website der Royal Armouries, London, (engl., eingesehen am 14. November 2013)
  6. Arbeit über die Rüstung Pedro II. von Portugal von Donald LaRocca, Metropolitan Museum New York, Seite 82, 84-86, PdF-Datei, vollständig online einsehbar, (engl., eingesehen am 26. November 2013)
  7. Arbeit über die Rüstung Pedro II. von Portugal von Donald LaRocca, Metropolitan Museum New York, Fotos Seite 90-92, PdF-Datei, vollständig online einsehbar, (engl., eingesehen am 26. November 2013)
  8. Arbeit über die Rüstung Pedro II. von Portugal von Donald LaRocca, Metropolitan Museum New York, Seite 89-94, PdF-Datei, vollständig online einsehbar, (engl., eingesehen am 26. November 2013)
  9. Arbeit über die Rüstung Pedro II. von Portugal von Donald LaRocca, Metropolitan Museum New York, Seite 92, PdF-Datei, vollständig online einsehbar, (engl., eingesehen am 26. November 2013)

Weblinks[Bearbeiten]


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