Chinesische Papierrüstung

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Die Chinesische Papierrüstung chin."zhijah" oder auch "zhikai" [1]ist eine historische Rüstungsart, die in China bis zum 19. Jahrhundert benutzt wurde.

Erwähnt wird die Rüstung in dem Buch "Wubei Zhi" (etwa 1629) des chinesen Mao Yuanyi (茅元儀 Máo Yuányí 1594–1640?), eines Offiziers aus der Ming-Dynasty. Das Buch ist ein Traktat über die Bewaffnung, Technologie oder Aufzeichnungen von Rüstung und Militär. Es umfasst 240 Bände, 10405 Seiten und ist somit das längste Buch in der chinesischen Geschichte das sich mit militärischen Angelegenheiten befasst.

Mao Yuanyi schreibt:

Zitat:"The best choice for foot soldiers is paper armor, mixed with a varity of silk and cloth." (deutsch: "Die beste Wahl für Fußsoldaten ist die Papierrüstung, mit einer Vielzahl von Seide und Tuch gemischt.")[2]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Chinesische Papierrüstung besteht aus dem Papier, beziehungsweise den Fasern des Maulbeerbaumes. Das Papier wurde mehrfach gefaltet, gepresst und mit der Hilfe eines Leimes miteinander verklebt. Die Papierbahnen wurden zu einzelnen Schuppen geformt, die mit Lederstreifen untereinander verbunden wurden. Aus diesen einzelnen Schuppen wurde eine Rüstung gearbeitet, die Schultern, Brust, Unterbauch, die Genitalien, den Rücken und zum Teil die Oberschenkel schützte. Ein Rüstungsteil, das Hände und Arme schützt und nicht zwangsweise mit dem Brustpanzer getragen wurde, wird "zhibeishow" genannt. Dieser Armschutz bestand aus mehreren Lagen Tuch auf den Innen- und Außenseiten, sowie aus Baumwolle, Seidenkokonpapier und Seidenfaden. Das Erscheinungsbild gleicht einer Rüstung aus Metall, die zur gleichen Zeit im Norden Chinas verwendet wurde. Die Ärmel waren im oberen Bereich dicker gearbeitet, im Unterarmbereich dünner. Ein gesondertes Segment bedeckte die Ellbogengelenke um die Beweglichkeit zu garantieren[3].

Die Rüstung erwies sich als sehr leicht, jedoch gleichzeitig auch als sehr widerstandsfähig gegen Hiebe, Schnitte und den Beschuß mit Pfeilen und den ersten Schußwaffen. Sie wurden von leichter Infantrie getragen, aber auch von schiffsgestützten Truppen, da mit dieser Rüstung, im Gegensatz zu einer Metallrüstung, in einem Notfall das Schwimmen möglich war. Diese Papierrüstungen waren mehrere hundert Jahre in Gebrauch.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Die Wirksamkeit des Gebrauchs von Rüstungen aus faserigen Naturstoffen ist bekannt und auch bestätigt. Es gibt verschiedene Beispiele die dies belegen (Siehe dazu u.a: Dschibba, Gesteppte Leinwandrüstung, Knopflochweste, Kiribati-Kokosnussfaserrüstung, Leinenpanzer, Papua Neuguinea-Rattanrüstung, Pourpoint (Rüstung), Salomonen-Rindenschild, Sudanesischer Rossharnisch).

Die Widerstandfähigkeit ist in den einzelnen Fasern der Stoffe begründet, die auf mikroskopischer Ebene gesehen, jede einzeln von einem eindringenden Gegenstand zerstört werden müssen und dabei dessen Energie absorbieren. Basierend auf diesen Tatsachen entwickelte die Firma Dupont 1935 Splitterwesten aus Nylonfasern, die an amerikanische Bomberbesatzungen im zweiten Weltkrieg, zum Schutz gegen Flaksplitter ausgegeben wurden. Die Verluste verringerten sich um 50%. Das 1965 ebenfalls von Dupont entwickelte Aramid wird in neuerer Zeit für die Herstellung von kugelsicheren Westen verwendet und funktioniert nach dem selben Prinzip[4]. Ebenso wie das heute meist verwendete Kevlar.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tsuen-hsuin Tsien, Collected Writings on Chinese Cultural History, Verlag Chinese University Press, 2011, Seite 103, ISBN 978-962-996-422-1
  2. Terry Kleeman, Tracy Barrett, The Ancient Chinese World, The World in Ancient Times, Verlag Oxford University Press, 2005, Seite 120, ISBN 978-0-19-517102-0
  3. Tsuen-hsuin Tsien, Collected Writings on Chinese Cultural History, Verlag Chinese University Press, 2011, Seite 103, ISBN 978-962-996-422-1
  4. Brian H. Kaye, Golf Balls, Boomerangs and Asteroids, Verlag John Wiley & Sons, 2008, Seite 358, ISBN 978-3-527-61482-0

Literatur[Bearbeiten]

  • Brian H. Kaye, Golf Balls, Boomerangs and Asteroids, Verlag John Wiley & Sons, 2008, ab Seite 358, ISBN 978-3-527-61482-0
  • Robert K. G. Temple, China: land of discovery, Verlag Stephens, 1986, Seite 83, ISBN 978-0-85059-858-2
  • Robert E. Krebs, Groundbreaking scientific experiments, inventions, and discoveries of the Middle Ages and the Renaissance, Verlag Greenwood Publishing Group, 2004, Seite 246, ISBN 978-0-313-32433-8

Weblinks[Bearbeiten]


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