Der Greifenhelm

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Der Greifenhelm (franz. "Le griffon Bourginotte") ist eine italienische Prunksturmhaube im Stil "all eroica", die von Giovanni Paolo Negroli (*etwa 1513 †13. Mai 1569) für ein Mitglied der Medici Familie oder der Familie Valois um 1540-1545 gefertigt wurde, für wen ist nicht bekannt. Sie ist so gearbeitet, das sie das Aussehen eines Greifenkopfes hat.

Beschreibung

Der Greifenhelm besteht aus vier Teilen, der Sturmhaube selbst, zwei Wangenklappen und einem passenden Bart. Die Helmkalotte ist aus einem Stück Panzerplatte getrieben. Die gesamte Oberfläche ist der Schuppenhaut eines Drachen ähnlich gestaltet und mit halbrunden, versilberten Schuppen ausgestattet, die sich überlappen. Der Augenschirm der Sturmhaube bildet den Oberkiefer des Greifenkopfes und ist vorn leicht hochgezogen und im Inneren mit Nasenöffnungen versehen, sowie mit einer Reihe kleiner Schneidezähne. Am oberen Ende des Oberkiefers sind beidseitig kleine Flügel ausgearbeitet, die an der Kalotte anliegen. Auf der oberen Außenseite sind Nasenfalten ausgearbeitet und im inneren sind versilberte Reisszähne an einer angenieteten inneren Platte angebracht. Die Lippen werden vom Helmrand gebildet, der umgeschlagen und in Seilform (engl. "Roped", deut. "geseilt") gestaltet ist. Die Augen sind weit geöffnet und der Helmkamm ist zackig, ähnlich dem Rückenkamm der mythologischen Drachen gearbeitet und verläuft von der Stirn größer werdend zur Kammmitte und dann kleiner werdend bis zum Helmrand.

Die Wangenklappen sind der Kopfform des Greifenkopfes angepasst und mit Scharnieren an den Seiten des Helmes befestigt. Die Oberfläche ist mit imitierten Haaren versehen, die von den Wangenklappen bis an die Seite des Augenschirmes reichen. Die beiden Wangenklappen können am Kinn zusammengefügt und mit einer Verschlussvorrichtung die aus einem Drehbolzen besteht aneinander befestigt werden, so das sie Augenscheinlich den Unterkiefer bilden. Auch hier sind innen versilberte Zähne angebracht und die Lippen in Seilform gearbeitet. An den Seiten sind rechts und links jeweils zwei Bolzen in der Höhe der Zähne angebracht, die zum Verriegeln mit dem Bart dienen. Sind die Wangenklappen verschlossen erweckt der Vorderbereich des Helmes den Eindruck eines aufgerissenen Maules.

Der Bart ist im vorderen, unteren Bereich mit einem großen Gesicht versehen, das mit ausgestreckter Zunge und aufgerissenen Augen gestaltet ist. Augenbrauen, Haar, Oberlippen- und Kinnbart sind als Akanthusranken gearbeitet. Der obere Rand ist in Seilform gestaltet und ebenfalls mit Zähnen auf der Innenseite versehen. Der Bart kann an den Helm und die Wangenklappen dicht angelegt und mit den vier Bolzen auf den Seiten der Wangenklappen mit dem Helm verbunden und fixiert werden. Zur zusätzllichen Sicherung wird der Bart noch mit einem Lederband um den Hals und das Genick des Helmes festgebunden. Am unteren Helm- und Bartende ist jeweils die Hälfte eines Panzerbandes angebracht, das den Helm nach unten Abschliesst. Das Band ist an den oberen Helm-und Bartteilen angenietet und umlaufend mit einem breiten Flechtband im Guilloche-Stil versehen das als Dekoration dient. Der untere Rand ist ebenfalls wieder in Seilform gearbeitet. An der Helmrückseite ist eine Metallhülse befestigt, die der Aufnahme des Helmbusches dient. Die gesamte Oberfläche, bis auf die Schuppen ist vergoldet. Im Inneren war der Helm mit einer Textileinlage ausgepolstert.

Der Helme ist 34 cm hoch, 21cm breit und wiegt 2300gr. Er wird heute im Musèe de l`Armèe in Paris aufbewahrt[1].

Der Helm entspricht in vielen Details den Arbeiten Giovan Paolos, was an anderen vergleichenden Arbeiten aus seiner Hand nachzuprüfen ist. Daher ordneten unter anderem Ortwin Gamber und andere ihn trotz fehlender Signaturen seiner Werksatt zu. Gute Vergleiche finden sich auf der Brustplatte und dem Burgonet in Washington die nachweislich von Giovan Paolo gefertigt sind. Der Helm wird zum ersten Male in dem Buch über Waffen und Rüstungen "Panolplie" von J.B.L Carèe aus dem Jahre 1795 erwähnt. Im Inventar von Chantilly ist er im Jahre 1793 erwähnt, nach dem während der französischen Revolution die Lagerräume des Louvrè geplündert wurden. Er wurde im selben Jahr in das Neugegründete Musèe d l`Armee (ehemals Musèe d l`Artillery) überführt und befindet sich seitdem in dessen Sammlungen[2].

Einzelnachweise

  1. Website des Musèe de l`Armèe, (franz., eingesehen am 09. Januar 2014
  2. Stuart W. Pyhrr, Heroic Armor of the Italian Renaissance: Filippo Negroli and his contemporaries, Illustriert von Filippo Negroli, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1998, Seite 300-303, ISBN 978-0-87099-872-0

Weblinks


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