Die Adlergarnitur

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Erzherzog Ferdinand II. in der Adlerrüstung, Gemälde von Francesco Terzio, (1550)

Die Adlergarnitur ist eine Rüstungsgarnitur. die von dem Insbrucker Plattner Jörg Seusenhofer im Auftrag des späteren Kaiser Ferdinand I. für seinen Sohn Erzherzog Ferdinand II. von Tirol bestellt. Sie bildet die größte bis heute erhaltene Garnitur und ist durch ihre frühe Darstellung in den Bildwerken des Erzherzogs Ferdinand von Tirol wahrscheinlich die am besten beschriebene, von der Order bis zum heutigen Aufenthalt.

Beschreibung

Die Garnitur besteht aus insgesamt 87 Einzelteilen,die im Baukastenprinzip untereinander zusammengefügt werden können. Die Grundeinheit des Baukastensystems bildet der sogenannte "Feldküriss" (Panzer für den Kampf), der Brustpanzer der schweren Reiterei. Durch die Kombination der verschiedenen Teile mit der Basiseinheit lassen sich insgesamt zwölf komplette Rüstungen für die Verwendung zu Pferd und zu Fuß, für den Kampfeinsatz,das Turnier, das Gestech und den Kampf zu Fuß bilden. Der Harnisch für den Fußkampf (auch "Kempfküriss" genannt), ist durch seinen geschweiften Tonnenrock deutlich erkennbar. Diese Garnitur wurde in einer sehr schlichten Art ausgeführt, was zu dieser Zeit durchaus üblich war. Sie besteht aus blankpoliertem Eisen, das teilweise geätzt und feuervergoldet, sowie in schwarz gefaßt ist. Die Dekorationsteile bestehen hingegen aus Messing. Zur Polsterung der inneren Rüstung wurden verschiedene Lederarten, Samt, hauptsächlich in der Farbe rot, sowie rote Atlasseide benutzt. Außerdem wurde ein naturfarbenes Wolle-Seide-Gewebe genutzt, das an manchen Stellen an den Rüstungsgelenken heraustritt.

Durch ihre fachlich hervorragende Ausführung und Dekoration ist sie trotz ihrer schlichten Art aber umso eleganter vom Innsbrucker Plattner Jörg Seusenhofer entworfen und gefertigt worden. Der Ätzer Hans Perkhammer schuf die hochqualitativen Dekorationen, der Aufbereiter (Rüstungsfeger) war Franz Wögerer. Die Dekoration der Garnitur wird von kleinen, vergoldeten Adlern, den Wappentieren des alten Österreich geprägt und ist auch nach diesen benannt. Der damalige Preis einer solchen Garnitur war sehr hoch. Die Adlergarnitur kostete die damals enorme Summe von 1258 Goldgulden, was etwa das zwölffache Jahresgehalt eines hohen Hofbeamten bildete. Zusätzlich wurden weitere 463 Gulden für die benötigte Vergoldung der Dekorationselemente gezahlt. Die Maße der Rüstung sind:

  • Höhe: 170 cm
  • Breite: 70 cm
  • Tiefe: 35 cm[1]

Einzelnachweise

  1. Beschreibung der "Adlergarnitur" sowie Hintergrundinformationen im Kunsthistorischen Museum Wien

Literatur

  •  Laurin Luchner: Denkmal eines Renaissancefüsten: Versuch einer Rekonstruktion des Ambraser Museums von 1583. A. Schroll, 1958, S. 28,36,42 (deut.).
  •  Ewart Oakeshott: European Weapons and Armour: From the Renaissance to the Industrial Revolution. Neuauflage Auflage. Boydell Press, 2012, ISBN 978-1-84383-720-6, S. 101 (engl.).
  •  Bruno Thomas: Gesammelte Schriften zur historischen Waffenkunde, Band 1. Akademische Druck- u. Verlagsanstalt, 1977, ISBN 978-3-201-00984-3, S. 536,660,661 (deut.).
  •  Hubert Glaser: Beiträge zur bayerischen Geschichte und Kunst, 1799-1825. Verlag Hirmer, 1980, ISBN 978-3-7774-3200-7, S. 378,379,391 (deut.).
  •  Georg Johannes Kugler: Kaiser Ferdinand I.: 1503 - 1564 ; das Werden der Habsburgermonarchie ; eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien ; Kunsthistorisches Museum, 15. April bis 31. August 2003. Verlag Skira, 2003, ISBN 978-3-85497-056-9, S. 297,362,380 (deut.).
  •  Schlosssammlung Ambras: Alle Wunder dieser Welt: die kostbarsten Kunstwerke aus der Sammlung Erzherzog Ferdinands II. (1529-1595). Verlag Kunsthistorisches Museum, 2001, ISBN 978-3-85497-026-2, S. 20,22,78 (deut.).

Weblinks


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