Die versilberte und gravierte Rüstung Heinrich VIII.

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Die versilberte und gravierte Rüstung Heinrich VIII. ist eine englische Turnierrüstung, die für Heinrich VIII. von England (* 28. Juni 1491 in Greenwich - † 28. Januar 1547 im Whitehall-Palast, London), in den Royal Worksops in Greenwich/London für ihn gefertigt wurde. Laut dem Datum der Herstellung ist es möglicherweise die erste Rüstung die in den Workshops gefertigt wurde. Die Rüstung besteht aus einem Harnisch mit Tonnenrock und einem Rossharnisch. Die Rüstung wurde zum Gedenken an die Hochzeit Heinrich VIII. mit Katharina von Aragon (* 15. Dezember 1485 in Alcalá de Henares - † 7. Januar 1536 auf Schloss Kimbolton, Huntingdonshire, England)gefertigt, was aus den Dekorationen, sowie den vergoldeten Initialen am Saum des Tonnenrocks zu sehen ist.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die versilberte und gravierte Rüstung Heinrich VIII. besteht aus einem Harnisch mit Tonnenrock, der für den Kampf zu Fuß als auch für den berittenen Turnierkampf geeignet ist. Die einzelnen Bestandteile sind ein geschlossener Visierhelm, Brust- und Rückenpanzer, das komplette Armzeug mit Panzerhandschuhen, dem Beinzeug sowie dem gefalteten Tonnenrock. Die gesamte Rüstung ist auf ihrer Oberfläche graviert und im Anschluß versilbert und auf Hochglanz poliert. Die Gravur besteht in ihren Grundmotiven aus Abbildungen von Blumen- und Blattranken mit den Rosen der Tudors und den Granatäpfeln Aragons. Die Hauptmotive bestehen aus Abbilddungen von Heiligen. Auf der Brustplatte ist eine Abbildung des Heiligen Georg (neugriechisch Άγιος Γεώργιος Ágios Geó̱rgios; * im 3. Jahrhundert evtl. in Kappadokien; † 23. April um 303 evtl. in Lydda, Palästina oder in Nikomedia) und auf dem Rückenpanzer eine Abbildung der Heiligen Barbara angebracht.

Auf der Rückseite der Beinpanzerung im Bereich der Waden sind auf jeder Seite die Figuren einer Frau zu sehen, die einem Blütenkelch entsteigt. Auf den Hinterpflüge der Achseln sind ebenfalls Symbole der beiden Herrscherhäuser zu sehen. Hier wurde eine Kombination der verschiedenen Wappen und Symbole entworfen, die aus den Pfeilbündeln Ferdinand II. sowie der Tudor-Rose und den Granatäpfeln Aragons besteht.

Auf den Zehenkappen der Panzerstiefel ("Sabatons") ist die Burg aus dem Wappen Aragons sowie das Fallgatter das der erste Tudor Herrscher, Henry VII. (*1457-†1509) in deren Wappen aufnahm. Am unteren Rand des Tonnenrocks ist ein verziertes Band angebracht das aus vergoldetem Kupfer besteht und die miteinander verflochtenen Initialen "H" und "K", für "Heinrich" und "Katharina" zeigt.

Der Rossharnisch besteht aus Krupper, Schweifschutz, Seitenpanzer, Fürbug, Crinet, Rossstirn und Turniersattel. Der Sattel ist ein "Turniersattel mit hohem Zeug", das heißt, das der Reiter fat im Sattel steht, was auch auf Bildern etc. sehr gut zu sehen ist, da die Knie der Rüstung gerade und nicht gebeugt sind. Die gesamte Oberfläche ist ebenfalls komplett graviert und nimmt im Dekor die gleichen Themen wie die Dekoration des Harnischs auf.

Die Hauptmotive basieren auf Darstellungen aus dem Leben der Heiligen Barbara und des Heiligen Georg. Auf der linken Seite des Fürbugs ist die Szene angebracht, in welcher der Heilige Georg vor den [Prokurator]] Dacian gerufen wird, wo dieser sich weigert seinem Glauben abzuschwören. Auf der linken Seite des Kruppers sind weitere drei Darstellungen aus seinem Leben angebracht. In einer sitzt Georg in einem Kessel, der einem Bullen nachempfunden ist und der mit flüssigem Blei gefüllt ist. Daneben ist die Abbildung in der Georg der Radfolter unterworfen und von zwei Engeln mit Schwertern attakiert wird, er aber unverletzt bleibt. Auf der oberen Krupperplatte ist die Hinrichtung des heiligen dargestellt. Alle drei Bilder aus dem Martyrium des Heiligen Georg[1].

Auf der rechten Seite des Fürbug ist eine Abbildung aus dem Leben der Heiligen Barbara ausgearbeitet. Die Abbildung zeigt sie im Gespräch mit einem Maurer, indem sie mit ihm den Einbau eines weiteren Fensters in einen sich im Bau vefindlichen Turm bespricht. Das dritte Fenster dient als Symbol für die Dreieinigkeit. Auf der rechten Seite des Kruppers ist die Vertreibung Barbaras dargestellt, bei der ihr eigener Vater Dioscorus sie mit einem Bündel Schnüre auspeitscht und sie aus dem Stadttor treibt. Daneben ist gezeigt wie sie von mehreren Männern zum Schlagen von Reisig begleitet wird. Im Hintergrund ist ein Musiker mit einem Dudelsack gezeigt, der die Gruppe spielend begleitet. Die obere Panzerplatte zeigt die Hinrichtung der Heiligen Barbara, die ihr eigener Vater durchführt, da sie sich weigert dem christlichen Glauben zu entsagen. In der gleichen Szene wird ihr toter Vater gezeigt, der von einem Blitz erschlagen wurde[2].

Auf der Vorderseite des Fürbugs ist die bekannte Szene dargestellt, in der Georg den Drachen tötet. Auf der Rückseite des Kruppers wie bei dem Harnisch die Initialen "H" und "K" sowie eine Rose und mehrere Putten. Die Seitenteile das Panzers (franz. "Flanchards") sind mit der Darstellung geflügelter Meermänner verziert, die Wappenschilder halten, auf denen die Tudor-Rose und die Granatäpfel Aragons kombiniert sind. Beise werden auf den Seiten von Fallgitter und Pfeilbündel, Symbole für König und Königin flankiert. Am unteren Rand ist der Wahlspruch Heinrich VIII. angebracht, der "DIEU ET MON DROIT" (franz. "Gott und mein Recht") lautet und mit Rosen eingerahmt ist.


Auf der Rückseite des Visierhelmes ist eine Beschlagmarke zu finden, ein Helm der mit einer Krone versehen ist, die der Meistermarke des flämischen Plattners namens Peter Fieber sehr ähnelt. Fieber arbeitete zur Herstellungszeit in den Greenwich Workshops. Diese Zuordnung zu Fiebers ist möglich, aber nicht sicher. Eine andere Möglichkeit mist, das die Rüstungsgarnitur von den italienischen Plattnern Filippo de Grampis und Giovanni Angelo de Littis, die in Greenwich 1512 bis 1515 arbeiteten, da deren Arbeitsstil der Garnitur sehr ähnelt. Ebenso käme noch der italienische Plattner Niccolò Silva in Frage, dessen Arbeiten ebenfalls Ähnlichkeiten aufzeigen. Es ist aber auch im Bereich des Möglichen, das irgendein unbekannter Plattner aus Flandern die Arbeiten ausführte.

Sicher ist, das die ausführenden Arbeiten nicht nur in England sondern auch in Brüssel gemacht wurdenn, da auf dem Rossharnisch eine Beschlagmarke mit einem "M" und einem Halbmond erhalten ist, die dem belgischen Plattner Guille Margot zuzuordnen ist. Sicher ist auch das die Rüstung blank, ohne jegliche Verzierung angekauft wurde. Die Gravurarbeiten wurden in England von dem Brüsseler Paul van Vrelant ausgeführt, der zuerst in Brüssel für die belgische Königsfamilie arbeitete. Heinrich VIII. kannte seine Arbeiten und warb ihn an um die Arbeiten an der Rüstung vorzunehmen. Paul van Vrelant arbeitete von 514 bis 1520 als "königlicher Harnischgraveur" für Heinrich[3].

Er erhielt 1514 einen Vertrag über die Zahlung von 200£ Troyes-Pfund. Eine Zahlung von 66£ Troyes-Pfund, 13 Solidi und 4 Dinare, erfolgte als erste Rate von dreien im Juni 1516. Für diesen Preis musste Vrelant die Garvuren, die Versilberung und Vergoldung ausführen. Die Preise für die Materialien wie Gold und Silber, Holzkohle, Quecksilber sowie die Löhne der benötigten Arbeiter selbst zahlen. In den Aufzeichnungen des Schreibers der Stallungen, George Lovekyn, aus dem Jahre 1519 erhalten ist, in der die Herstellung einer Rüstung erwähnt ist, die Vrelant übergeben wurde. Es gilt als gesichert das es sich dabei um diese Rüstung handelt[4].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sigrid Metken, Peter Bernhard Steiner, Sanct Georg: der Ritter mit dem Drachen, Band 24 von Kataloge und Schriften, Verlag Josef Fink, 2001, ISBN 978-3-89870-027-6
  2. Helmut Eberhart, Heilige Barbara: Legende, Darstellung und Tradition einer populären Heiligen, Band 1 von Unsere Heiligen, Verlag für Sammler, 1988, ISBN 978-3-85365-070-7
  3. Graeme Rimer, Thom Richardson, John P. D. Cooper, Royal Armouries Museum in Leeds, Historic Royal Palaces, Henry VIII: arms and the man, 1509-2009, Verlag Royal Armouries, 2009, Seite 172, 223, ISBN 978-0-948092-62-6
  4. Beschreibung der Rüstung auf der Website der Royal Armouries, (engl., eingesehen am 30. November 2013)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heinrich Müller: Albrecht Dürer: Waffen und Rüstungen. Von Zabern, 2002, ISBN 978-3-86102-121-6, S. 69.
  •  Thom Richardson, Royal Armouries: The armour & arms of Henry VIII. Royal Armouries, 2002, ISBN 978-0-948092-49-7.
  •  Great Britain. Dept. of the Environment: Armours of Henry VIII., Treasures of the Tower. H.M.S.O., 1977, S. 2, 4, 11.

Weblinks[Bearbeiten]


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