Feldharnisch Friedrich I. Kurfürst von der Pfalz

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Friedrich I. Kurfürst von der Pfalz, Portrait von Albrecht Altdorfer (* ca.1480 – † February 12, 1538)

Der Feldharnisch Friedrich I. Kurfürst von der Pfalz ist ein italienischer Kampfharnisch, der etwa im Jahre 1450 von den Mailänder Plattnermeistern Tomaso & Antonio Negroni da Ello, gen. Missaglia, Pier Inocenzo da Faerno und Antonio Seroni gefertigt, die alle in der großen Werkstatt der Missaglias arbeiteten. Alle drei waren nachweisbar von 1430 - 1452 in Mailand tätig und von allen vieren sind die Meistermarken auf der Rüstung nachweisbar und obwohl vier unterschiedliche Meister an dieser einen Rüstung arbeiteten, erscheint die Rüstung sehr einheitlich. Auf das burgundische Modevorbild deuten auch der "Grand Bascinet" sowie die zur Zeit der Herstellung sehr beliebten "Schnabelschuhe".

Da die burgundischen Hoftraditionen sehr beliebt waren entstand eine Art Mode, die auch von Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz (* 1. August 1425 in Heidelberg; † 12. Dezember 1476 ebenda) genannt "der Siegreiche" aber auch "der böse Fritz", angenommen wurde und er der Auftraggeber der Rüstung war, passten die Plattnermeister ihre Entwürfe an diese Mode an, daher auch die Bezeichnung "alla francese". Der Grund die Rüstung zu bestellen war höchstwahrscheinlich die Regierungsübernahme in der Pfalz durch Friedrich I. im Jahre 1449.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Rüstung besteht aus dem Helm, dem Brust- und Rückenpanzer, dem Armzeug, den Bauch- und Gesäßreifen, den Tassetten, sowie dem Armzeug , Schwebescheiben und den Schnabelschuhen.

Der Helm ist vom Typ ein sogenannter Grand Bacinet oder auch oft als "Große Beckenhaube" oder als "Großer Helm" bezeichnet wird. Der Helm ist sehr stabil, hier mit einer kugelförmigen Helmkalotte sowie mit einem abgerundeten, aufklappbaren ("aufschlächtigem") einteiligen Visier versehen. Die Augenschlitze bestehen aus schmalen, untereinander abgeteilten Abschnitten. Auf dem gesamten Visier sind eine Vielzahl runder Luftgeben angebracht. Statt dem üblichen Ringkragen ist bei diesen Helmen ein schweres, zweiteiliges Kinnreff angebracht. Das Kinreff, sowie die Rückseite des Helmes sind mit einem Lederriemen am Brust- und auch am Rückenpanzer gesichert. Die Sicht wird daraus vermindert, aber die Sicherheit durch die Stabilität erhöht. Die einzelnen Bauteile sind untereinander vernietet. Die Grand Bascinets existieren in unterschiedlichen Ausführungen, was sich in der Art der Helmform, des Visieres und der Gestaltung äußert.

Der Brustpanzer besteht aus zwei Platten, einer unteren, nach oben spitz zulaufenden, sowie einer oberen. die in Form getrieben und miteinander verbunden und in der Form einer Kugelbrust getrieben sind. Der Rückenpanzer ist aus mehreren Teilen gefertigt, wobei der untere Panzer nach oben ebenfalls spitz zuläuft, der obere Teil aber aus einzelnen, geschobenen Bändern besteht. In der Mitte der Schultern ist das Befestigungsstück für den Helm angebracht. Am unteren Rand sind fünf Gesäßreifen angehängt, die ebenfalls geschoben sind. Der Brustpanzer hat in der Mitte ebenfalls das Befestigungsstück für den Helm, sowie auf der rechten Brustseite eine Vorrichtung zur Befestigung eines Rüsthakens, der zum Abstützen der Lanze beim Anreiten dient. Am unteren Brustpanzerrand sind fünf Bauchreifen geschoben angebracht, die zum Anhängen der Tassetten dient.

Die Tassetten sind sehr kurz, einem Schild ähnlich gestaltet, am unteren Ende spitz zulaufend und mit einem starken Mittelgrat versehen. Die Tassetten sind mit Lederriemen an den tief herunterreichenden Bauchreifen befestigt und reichen etwa bis auf die Mitte der Oberschenkel.

Das Armzeug ist ohne Brechrand gearbeitet und an den Achseln siebenfach geschoben. Die Vorderpflüge sind nur sehr klein gestaltet, die Achselhöhlen aber durch an die Schulterpanzer angehangene, bewegliche Schwebescheiben geschützt. Die Oberarmröhren sind geschlossen und mit den Ellbogenpanzern durch Nieten beweglich miteinander verbunden. Die Ellbogenkacheln sind sehr groß gearbeitet und in der Mittellienie leicht eingebogen. Die Ellbogenpanter sind spitz gearbeitet und am oberen Ende einfach-, am unteren Ende dreifach geschoben. Die Innenseite der Ellbogen ist offen und die Unterarmröhren zweiteilig gearbeitet und verriegelbar. Die Panzerhandschuhe sind vom Typ einer Hentze mit Stulpen und ohne Daumenpanzer gearbeitet. Die Fingerpanzer sind dreifach geschoben.

Das Beinzeug besteht aus offenen Oberschenkelpanzern, die mit Lederriemen am Bein befestigt werden. Die Kniepanzer sind mit dem Oberschenkel- und Unterschenkelpanzer beweglich durch Nieten verbunden- Die Unterschenkelröhren sind zweiteilig und konnen verriegelt werden. Die Fußpanzerung besteht aus Kettenrüstung die geschlossen, ähnlich eines Strumpfes gearbeitet sind. Auf diesem Kettenpanzer kann ein Schnabelschuh aus Plattenpanzerung angebracht werden. Am Vorderfuß und den Zehen ist eine runde, leicht nach unten abgebogene Verlängerung angebracht, die den eigentlichen Schnabel bildet. Diese Verlängerung besteht aus runden Geschüben, vierundvierzig an der Zahl, die leicht beweglich durch Nieten miteinander verbunden sind. Die Schnäbel schützten den Fuß vor dem herausrutschen aus dem Steigbügel. Da das Gehen mit diesen Schnabelschuhen sehr schwierig ist, waren die meisten dieser Art abnehmbar gestaltet so das sie beim Gegen oder dem Einsatz der Rüstung im Fußkampf abgenommen werden konnten. In der Zeit ihrer Verwendung waren die Schnabelschuhe in unterschiedlicher Länge im Gebrauch.

Die gesamte Rüstung ist nicht verziert, was bei den rein zum Kampf gedachten Rüstungen normal ist, da aufwendige Gravuren und Treibarbeiten beim Kampf extrem leiden würden und die Reparatur sehr aufwendig, kostspielig oder unmöglich wären.


Die Rüstung wird heute in den Sammlungen des Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt[1].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Rüstung auf den Websites des Kunshistorischen Museum in Wien, (deut., eingesehen am 29. März 2015)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Austro-Hungarian Monarchy. Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses. A. Schroll, 1966, S. 384.
  •  Bruno Thomas: Harnische. Kunstverlag Wolfrum, 1947, S. 43.
  •  F.A. Brockhaus Wiesbaden: Der Grosse Brockhaus, Band 5. 16 Auflage. Brockhaus, 1954, S. 271.

Weblinks[Bearbeiten]


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