Garnitur Albrecht VII. von Österreich

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Rüstung Albert Erzherzog von Österreich im Legermuseum für Kunst und Geschichte in Brüssel

Die Garnitur Albrecht VII. von Österreich ist eine Rüstungsgarnitur die etwa im Jahre 1599 für Albrecht VII. von Österreich (* 13. November 1559 in Wiener Neustadt; † 15. Juli 1621 in Brüssel) auch Albrecht der Fromme, französisch Albert, hergestellt wurde. Es wird angenommen, das die Rüstung für die Hochzeitsfeierlichkeiten Albrecht VII. mit Isabella Clara Eugenia von Spanien (* 12. August 1566 in Segovia in Spanien - † 1. Dezember 1633 in Brüssel) (spanisch Isabel Clara Eugenia de Austria y Valois), der Tochter König Philipp II. von Spanien gefertigt wurde.

Beschreibung[Bearbeiten]

Albert VII. in der Rüstung, Gemälde von Frans Pourbus dem Jüngeren

Die Garnitur Albrecht VII. von Österreich, besteht aus einem Harnisch für einen Reiter, sowie einem Rossharnisch. Beide wurden nicht für den Kampf geschaffen, sondern als Prunkrüstungen, die aber auch für ein Turnier benutzt werden konnten. Die Rüstung des Reiters ist für den Kampf vom Pferd, sowie auch als Rüstung für den Kampf zu Fuß verwendbar.

  • Der Reiterharnisch

Der Harnisch für den Reiter besteht aus einem geschlossenen Visierhelm mit einem aufklappberen ("aufschlächtigen") Visier, das zwar beweglich ist, aber auch gleichzeitig die vordere Seite des des dreiteiligen Helmes bilde. Die beiden Hälften können nach öffnen eines Verschlußhakens von denen sich auf jeder Halsseite einer befindet, geöffnet werden um den Helm an oder abzulegen. An der rechten Visierseite befindet sich eine fast quadratische Luftgebe, die zur besseren Belüftung des Helmes geöffnet werden kann. Der Helm besitzt einen niedrigen Helmkamm, sowie eine angesetzte Halterung für einen Helmbusch. Am hinteren Ende des Kammes sind zwei durchgehende Bohrungslöcher angebracht, deren Verwendung nicht sicher ist. Vermutlich dienten sie, wie auch bei manchen anderen Rüstungen, für die zusätzliche Befestigung eines schweren Helmbuschs.

Der Brustpanzer ist entsprchend den Modellen der Zeit entworfen und mit dem Rückenpanzer durch Schnallen verbunden. Auf der rechten Brust ist ein feststehender, nicht klappbarer Rüsthaken angebracht. Am unteren Ende sitzt ein Bauchreifen, an dem die beiden Tassetten befestigt sind. Diese sind dreifach geschoben.

Die Armzeuge sind im Schulterpanzerbereich sechsfach geschoben, wobei der Schulter- und Oberarmpanzer mit dem Ellbogenpanzer zusammengesteckt und verriegelt werden kann und so drehbar gelagert ist. Die Unterarmröhren mit den Ellbogenkacheln sind nur an der Innenseite des Ellbogens geöffnet. Die Panzerhandschuhe sind mit einer Stulpe versehen und mit vielfach geschobenen Fingern versehen (Fecht-Panzerhandschuh).

Die Beinzeuge bestehen im Bereich der Oberschenkel aus Schienen, die nur die Vorderseite des Oberschenkels bedecken. Die Kniepanzer sind mehrfach geschoben und können mit den Unterschenkelbeinröhren verbunden und verriegelt werden. Die Panzerstiefel sind mehrfach geschoben und mit angesetzten Sporen versehen.

  • Der Rossharnisch

Der Rossharnisch besteht aus Rossstirn, Crinet, Fürbug, Seitenpanzern, dem Krupper sowie einem Turniersattel im "hohen Zeug". An der Rossstirn ist eine Hülse zur Befestigung eines Helmbuschs angebracht. Der Crinet ist achtfach geschoben und mit der Rossstirn unter Verwendung von Riegeln verbunden. Die Seitenpanzer sind rechteckig und mit Lederriemen über den Sattel befestigt. An den unteren Seiten befinden sich Öffnungen für die Riemen der Steigbügel, durh die diese an die Aussenseite geleitet werden.

Der Krupper besteht aus zehn Einzelteilen die miteinander beweglich verbunden sind. Er besteht aus zwei oberen, halbrunden Platten, die auf dem Rücken des Pferdes aufliegen und mit dem Sattel über Lederriemen verbunden sind. An der Unterseite sind zwei geschobene Platten auf jeder Seite angehängt. Am hinteren sowie am vorderen Ende des Kruppers sind jeweils zwei dreieckförmige Platten angehangen, die die Beine des Pferdes von vorn und hinten schützen. Ein Schweifschutz aus Metall wie bei anderen Rossharnischen ist nicht vorhanden, jedoch ist der Schweif sowie der darüberliegende Steißbeinknochen mit einer Polsterung versehen, aus der in der Mitte, an der Nahtstelle lange Stacheln herausschauen. die nach hinten rechts und links zeigen.

  • Das Dekor

Das Dekor ist in Ätz- und Gravurtechniken ausgeführt und bedeckt die ganzen Rüstungen von Kopf bis Fuß. Die Dekorationen aus dem Teiterharnisch sowie dem Rossharnisch sind mit den gleichen Mustern ausgeführt und identisch (franz. "en suite"). Es handelt sich bei der Dekoration um ein kompliziertes, in vertikalen Linien angeordnetes Muster aus unterschiedlichen Motiven. Unter diesen befinden sich Medaillons, Kartuschen, tierische und figürliche Darstellungen, Fantasygestalten sowie dekorativen Ornamenten, die aus den Initialen "IS" gebildet sind. Diese sind in den Abmessungen die gößten Einzeldekorationen und wiederholen sich wie andere Darstellungen auch auf dem gesamten Panzer (siehe Bilder unter Weblinks). Die Initialen deuten wahrscheinlich auf Albrecht VII. Ehefrau Isabella Clara Eugenia von Spanien hin, da die Rüstung wohl zu der Hochzeit der beiden gefertigt wurde. Die Nieten die sich auf der gesamten Rüstung befinden waren ursprünglich verkupfert und haben im Laufe der Zeit, sowie bei der Aufarbeitung der Rüstung ihre Beschichtung zum Teil verloren.


Auf der gesamten Rüstung befinden sich keinerlei Beschlagmarken, wodurch die Herkunft feststellbar wäre. Ausführung und Stil der Arbeit deuten aber auf Mailänder Werkstätten hin, die zu dieser Zeit extrem hochwertige Arbeiten ausführten. Kurfürst Albrecht scheint besonders stolz auf diese Rüstung gewesen zu sein, da er sich auf verschiedenen Portraits in dieser Rüstung Malen lies. Die Rüstungsgarnitur wird heute im Koninklijk Legermuseum, Koninklijke Musea voor Kunst en Geschiedenis in Brüssel/Belgien aufbewahrt[1].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Rüstung auf der Website des Legermuseums, zweite Reihe der Fotos von oben, ganz rechts, (engl., eingesehen am 01. Mai 2014)

Weblinks[Bearbeiten]




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