Halbharnisch Erzherzog Leopold V. von Österreich-Tirol

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Erzherzog Leopold V. von Österreich-Tirol, Gemälde von Joseph Heintz d.Ä, 1604

Der Halbharnisch Erzherzog Leopold V. von Österreich-Tirol ist eine deutsche Rüstung, die von dem Plattnermeister Hans Jakob Topf (erwähnt 1605 -1628) aus Innsbruck im um das Jahr 1620 gefertigt wurde. Der Auftraggeber war Erzherzog Leopold V. von Habsburg (* 9. Oktober 1586 in Graz; † 13. September 1632 in Schwaz, Tirol), Bischof von Passau und Straßburg (bis 1625), Regent von Tirol und von 1614 bis 1625 Abt von Kloster Murbach. Leopold V. kämpfte unter anderem in den Bündner Wirren 1618–1639 gemeinsam mit Spanien um Kontrolle der Bündner Pässe, die Etablierung einer habsburgischen Landesherrschaft im Unterengadin und im Prättigau sowie die Rekatholisierung Graubündens. 1632 verteidigte er Tirol gegen die Schweden.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Rüstung besteht aus einem Visierhelm mit Ringkragen. einem Brust- und Rückenpanzer, einem Vorderschurz sowie den ganzen Armzeugen.

Der Helm ist in seiner Form rund-eiförmig und mit einem vorschnallbarem Visier (Bart) ohne Luftgeben aber mit einem starken vertikalen Grat in der Visiermitte. Die Augenausschnitte sind nicht wie bei den meisten anderen Rüstungen getrennt und strichförmig, sondern eher in der Art einer modernen Brille ausgeschnitten. Über den Augenausschnitten ist ein Augenschild fest angebracht. Die Helmkalotte ist ohne Helmkamm und fast rund gearbeitet. Am unteren Helmrand ist ein greifach geschobener Ringkragen angebracht.

Der Brustpanzer ist in der typischen Form dieser Zeit gearbeitet, sehr kurz, nach vorn vorgewölbt und ausladend gehalten. Der Mittelgrat auf der Brust ist sehr ausgeprägt, der Rückenpanzer ist eher flach gehalten. Am unteren Ende des Brustpanzers ist ein Bauchring angehangen, der aber direkt in den sogenannten Vorderschurz übergeht, der im Gegensatz zu den Tassetten nicht zweiteilig, also für jedes Bein eine Tassette, gearbeitet ist sondern aus einem Teil für beide Beine dient. Der Vorderschurz ist sechsfach geschoben und wölbt ich weiter nach vorn, je tiefer er reicht. Durch den Vorderschurz und den verkürzten Brustpanzer erscheint der Körper des Trägers massiger und kräftiger, der Beckenbereich wird stärker betont.

Die Schulterpanzer ("Achseln") gehen bei dieser Rüstung geschlossen in die Oberarmpanzer über, die hier nicht mehr aus Röhren, sondern aus den elffach geschobenen Schulterpanzerverlängerungen bestehen. Ellbogenpanzer und Unterarmröhren sind keine vorhanden. Der Schutz für den Unterarm wird von den extrem verlängerten Stulpen der Panzerhandschuhe gebildet, die bis zu den Ellbogen reichen, eine typische Rüstungsmodenerscheinung dieser Zeit, die sich jedoch nicht lange hielt. Die Panzerhandschuhe sind als Fecht-Panzerhandschuhe gearbeitet und auf dem Handrücken neunfach geschoben. Daumen und Finger sind fein geschoben und sehr beweglich.

Das Innenfutter der Rüstung, das aus Leder besteht schaut unter manchen Teilen der Rüstung heraus und ist wellenförmig gearbeitet.

Auf der rechten Brustpanzerseite sowie auf der rechten Seite der Helmkalotte sind die Spuren einer Beschußprobe zu sehen, da die gesamte Rüstung kugelfest hergestellt wurde. Die Rüstung wiegt über vierzig Kilogramm und zeigt die Grenzen der Rüstungsherstellung in der Bemühung sie gegen die gerade aufkommenden modernen Feuerwaffen resistent zu machen, da die Rüstungen, bedingt durch das hohe Gewicht kaum noch tragbar waren.

Die Rüstung ist ein schönes Beispiel für den Einfluss des beginnenden Barock, da die Rüstung die Körperideale typisch wiederspiegelt. Die Imponierhaltung des "Kraftmenschen" ist deutlich zu sehen, die Rüstung wirkt fast schon agresiv und bedrohend.

Dekoration[Bearbeiten]

Die Dekoration der Rüstung besteht nur aus der vergoldeten Randeinfassung der einzelnen Rüstungsteile und die vergoldeten Köpfe der Nieten, die überall auf der Rüstung angebracht sind[1].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Rüstung auf der Website des Kunsthistorischen Museum Wien, (deut., eingesehen am 21.10.2015)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Kunsthistorisches Museum Wien: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 34. A. Schroll, 1974, S. 216.

Weblinks[Bearbeiten]


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