Harnisch für Mann und Ross Maximilian I.

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Der Rossharnisch von der Seite
Rechter Krupper der Rüstung mit der Darstellung des Herkules im Kampf gegen die Hydra

Der Harnisch für Mann und Ross Maximilian I. ist eine Rüstung und ein Rossharnisch, die von Kolman und Desiderius Helmschmid gefertigt wurde. Der Rossharnisch wurde von Kolman Helmschmid (*1470 oder 1471 - †1532 Augsburg) gefertigt, der Harnisch für den Reiter von Desiderius Helmschmid (*1513- † nach 1578). Die beiden Rüstungen wurden nicht zusammengehörig gefertigt, sondern aus Beständen der Armeria Real Madrid zusammengestellt. Der Rossharnisch gilt als einer der schönsten die je gefertigt wurden[1].

Der Rossharnisch

Der Rossharnisch wurde von Kolman Helmschmid (*1470-†1471 oder 1532 Augsburg), in den Jahren 1517 bis 1518 gefertigt und gehörte ehemals Maximilian I. (* 22. März 1459 in Wiener Neustadt; † 12. Januar 1519 in Wels, Oberösterreich) und gelangte durch Erbschaft in den Besitz Karl V. (* 24. Februar 1500 in Gent; † 21. September 1558 im Kloster San Jerónimo de Yuste, Extremadura), seinen Enkel. Der Rossharnisch besteht aus Rossstirn, Crinet, Fürbug, Schweifschutz einem dreiteiligen Krupper und einem Turniersattel mit hohem Zeug. Alle Metallteile der Rüstung sind mit gravierten und getriebenen Darstellungen verziert, die einem Entwurf von Hans Burkmair d.Ä (*1473-†1531), dem Schwager Kolman Helmschmids, zugewiesen werden, von dem bekannt ist, das er Entwürfe für Rüstungsdekorationen fertigte.

Die Rossstirn ist mit größeren Motiven und einem gepunkteten Hintergrund dekoriert. In der Mitte befand sich ursprünglich ein Schild, das etwa 1950 verschwunden ist, mit der Darstellung des Herkules als Säugling, der die Schlangen des Juno erwürgt, das Motiv, das auf der Vorderseite des Fürbugs nocheinmal wiederholt ist. Der Crinet besteht aus sieben geschobenen Platten die ebenfalls im ganzen graviert sind. Auf ihr sind Grotesken, Pfauen, Centauren, andere mythologische Tiergestalten, Düdelsäcke, Waffentrophäen, die Halbfigur eines Kriegers mit Schwert bewaffnet, Windhunde, Hirschköpfe und geflügelte Pferde dargestellt. Die äussere Umrandung des Crinet und auch die der anderen Rüstungsteile sind als durchbrochene Kleeblätter gearbeitet. Der gesamte Rossharnisch ist bis auf die Rossstirn, die Vorderseite des Fürbugs und den Schweifschutz durchbrochen und im Flachrelief gearbeitet. Eine Unterlage aus schwarzem Samt dient als Kontrast zu den Metallarbeiten und schützt die Haut des Pferdes vor Verletzungen durch das Metall.

Die rechte Seite des Rossharnischs ist der Legende des Herkules gewidmet. Auf dem Fürbug ist der Ringkampf Herkules mit dem Riesen Antaios dargestellt, desweiteren am unteren Krupper rechts Herkules der im Begriff ist die Köpfe der Hydra von Lerna abzuschlagen und am oberen Krupper rechts der Kampf gegen den kretischen Stier. Die linke Seite des Harnischs ist, sozusagen als Gegensatz zur Mythologie, biblischen Themen gewidmed. Auf der linken Seite des Fürbugs ist Delila abgebildet die sich darauf vorbereitet Samson die Haare abzuschscheren, der in ihren Armen liegt, sowie eine Darstellung Samsons bei dem Zerstören der Säulen im Haus der Philister. Auf dem unteren Krupper sieht man Samson im Kampf mit dem Löwen den er mit bloßen Händen austrägt, sowie auf dem oberen Krupper die Darstellung als Samson die herausgebrochenen Stadttore der Stadt Gaza auf seinen Schultern hinaus in die Wüste trägt. Der Schweifschutz ist massiv und kunstvoll in der Form eines Delphinkopfes gestaltet.

Teile des Rossharnisch mussten restauriert oder sogar neu geschaffen werden, da er im Spanischen Bürgerkrieg (1936 bis 1939) schwere Beschädigungen durch Bombeneinwirkung erlitt. Darunter befanden sich die rechte Seite des Fürbugs und des Kruppers sowie die Rossstirn, bei der das Ohrstück sowie ein Teil des Nackenbereichs neu geschaffen werden mussten. Andere Teile der Rossstirn und des gepanzerten Zügels der ebenfalls graviert war, konnten leicht repariert werden[2].

Der Sattel

Der Turniersattel der Rüstung ist an seinen fünf Plattenteilen an der Vorder- und Rückseite, den beiden Seitenplatten und der Platte auf der Rückseite des Sattelhorns ebenfalls graviert. Auch hier wurden Motive aus dem Leben der beiden Helden Herkules und Samson verwendet. Abbildungen der Gravuren und Treibarbeiten wurden in dem Archiv der Thun-Hohenstein Bücherei in der ehemaligen Tschechoslowakei, in der Stadt Děčín gefunden. In den Kodizes Nr. a/2 und a/8 sind sie zusammen mit Entwürfen anderer Rüstungen als Bleistiftzeichnungen erhalten. Die Kodizes gingen am Ende des Zweiten Weltkrieges verloren, doch deren Inhalt ist teils durch Fotografien bekannt (Nr. a/8), wobei von Nr. a/2 nur die eine Seite mit der Darstellung dieser Rüstung erhalten ist[3]. Obwohl sich keine Beschlagmarke auf ihm findet kann er durch den Fertigungsstil ebenfalls sicher Kolman Helmschmid zugeordnet werden. Die Dekoration besteht ebenfalls aus einem gepunkteten Untergrund sowie figürlichen Darstellungen. Auf der Frontplatte, den seitlichen Platten und dem Sattelhorn befinden sich zwei Grotesken mit Flügeln, eine männliche und eine weiblichem, beide mit dem Unterkörper einer Schlange, die beide am Körperende mit einem Ring verbunden sind. Die hintere Platte besteht aus einem Stück und zeigt den Kampf zwischen zwei See-Zentauren, beide in Rüstug, ohne Helm und bewaffnet mit Schilden, einer mit einer Kriegsgabel bewaffnet, der andere mit einem Dreizack. Zwischen beiden Figuren ist eine Art Vase abgebildet aus der Flammen schlagen. Der Sattel wurde während des Bürgerkrieges ebenfalls beschädigt.

Ein anderer Sattel aus dem Besitz Karl V. (Inventarnummer A 150) gleicht diesem Sattel. Eine Ausnahme bildet die Dekoration dieses Sattels, da in den Dekorationen zusätzlich der imperiale Adler und die persönliche Devise Karl V., die Säülen des Herkules, enthalten sind, unter denen sein Motto, "PLUS OULTER" steht. Obwohl sich die beiden gleichen kann einer der beiden, der hier Beschriebene, kurz vor das Krönungsjahr Karl V. 1519 datiert werden, eine Erklärung dafür warum auf diesem Sattel keine Imperialen Symbole zu finden sind[4].

Der Reiterharnisch

Der Reiterharnisch besteht aus einem geschlossenen Visierhelm mit einer verstärkten Frontplatte, einem Ringkragen, Brust und Rückenpanzer, Tassetten, komplettem Arm- und Beinzeug, das Armzeug der linken Seite ausgestattet mit Verstärkungsplatten für Unter- und Oberarm sowie der Achsel, einem verstärkten Panzerhandschuh, Ober-und Unterschenkelpanzer sind ebenfalls für ein Turnier gerüstet und passend für eine Rüstung zum Turnier. Die Rüstung wurde aus Teilen für den Feld- und Turniereinsatz einer Rüstungsgarnitur für Karl V.zusammengestellt, wovon Teile in dem Feldzug degen Kaiser Barbarossa in Algerien verloren gingen, wie es in der "Relacion de Valladolid" bestätigt wurde[5].

Ein wichtiges Bestandteil dieser Rüstung war eine Abbildung des Heiligen Jacobus d.Ä († ca. 44 n. Chr.) (span. Santo Santiago), der einen ungläubigen erschlägt, war auf beiden Brustpanzern eingeätzt. Die zweite Brustplatte ist Teil eines Verbundpanzers, der heute in der Eremitage in Sankt Petersburg aufbewahrt (Inventarnummer Z.O.3386). Die erste Platte war vermutlich die Verstärkungsplatte der ersten, die aber nicht gefunden werden konnte. Beide Platten sind in dem Codex a/8 erwähnt und sind auch durch eine gezeichnete Abbildung aufgeführt. Der Brust- und Rückenpanzer werden als die Panzer eingeteilt die heute unter der Inventarnummer A149 geführt sind und wurden am Ende des 19. Jahrhunderts anhand der gleichen Dekoration zugeordnet. Beide Brustpanzer und der Rückenpanzer sind in der gleichen Art dekoriert, die Motive von Laubornamenten umgeben wie auch auf dem Ringkragen und der Verstärkungsplatte der linken Schulter zu sehen. Die zentrale Dekoration der Brustpanzer zeigt eine Abbildung der Jungfrau Maria und des Christuskindes, beide umrahmt von Lichtstrahlen. Unter den Füßen der Jungfrau Maria ist ein Halmond angebracht und über dem Kopf sind zwei fliegende Keruben abgebildet. Auf dem zentralen Teil des Rückenpanzers findet sich eine Darstellung der Heiligen Barbara. Beides sind Motive die auf verschiedenen Rüstungen und Rüstungsteilen Karl V. zu finden[6]. Es wird angenommen und ist nicht unmöglich, das der Rossharnisch kurze Zeit nach dem Mannsharnisch für Karl V. gefertigt wurde. Beide sind zusammen im Codes a/2 aus der Thun-Hohenstein Bibliothek zusammen abgebildet[7].

Einzelnachweise

  1. Antonio Domínguez Ortiz, Concha Herrero Carretero, José-A. Godoy, Patrimonio Nacional, Metropolitan Museum of Art, Resplendence of the Spanish Monarchy: Renaissance Tapestries and Armor from the Patrimonio Nacional, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1991, Seite 130, ISBN 978-0-87099-621-4
  2. Antonio Domínguez Ortiz, Concha Herrero Carretero, José-A. Godoy, Patrimonio Nacional, Metropolitan Museum of Art, Resplendence of the Spanish Monarchy: Renaissance Tapestries and Armor from the Patrimonio Nacional, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1991,Seite 130 bis 131, ISBN 978-0-87099-621-4
  3. Quirin Ritter von Leitner, Artistisches Quellenmaterial aus der gräflich Thun-Hohenstein'schen Fideikomiss-Bibliothek in Tetschen, aus "Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses, 1888, Seite I-IV
  4. Antonio Domínguez Ortiz, Concha Herrero Carretero, José-A. Godoy, Patrimonio Nacional, Metropolitan Museum of Art, Resplendence of the Spanish Monarchy: Renaissance Tapestries and Armor from the Patrimonio Nacional, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1991, Seite 132, ISBN 978-0-87099-621-4
  5. J. Godinez de Millis, Relacion de lo sucedido en la ciudad de Valladolid, desde el punto del felicissimo nacimiento del principe Don Felipe Dominico Victor: hasta que se acabaron las demostraciones de alegria que por el se hizieron, Verlag J.Godinez de Millis, Valladolid, 1605
  6. Albert Frederick Calvert, Spanish arms and armour: being a historical and descriptive account of the Royal armoury of Madrid, Verlag J. Lane, 1907, Seite 81-82
  7. Antonio Domínguez Ortiz, Concha Herrero Carretero, José-A. Godoy, Patrimonio Nacional, Metropolitan Museum of Art, Resplendence of the Spanish Monarchy: Renaissance Tapestries and Armor from the Patrimonio Nacional, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1991, Seite 136-137, ISBN 978-0-87099-621-4

Literatur

  • Wendelin Boeheim, Handbuch der Waffenkunde, Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1890, Fourier Verlag, Wiesbaden 1985, Seite 220, ISBN 978-3-201-00257-8

Weblinks


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