Harnisch für Ross und Reiter Sigismund II. August von Polen

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Rossharnisch und Harnisch Sigismund II. August von Schweden

Der Harnisch für Ross und Reiter Sigismund II. August von Polen ist eine deutsche Rüstung, die von dem Plattner Kunz Lochner (ca.*1510–† 19. August 1567) aus Augsburg für König Sigismund II. August von Polen (* 1. August 1520 in Krakau, Polen; † 7. Juli 1572 in Knyszyn, Polen) um 1550 gefertigt wurde. Sie besteht aus einem kompletten europäischen Rossharnisch sowie einer kompletten Rüstung für den Reiter. Die Rüstungen sind als reine Prunk- und Turnierrüstungen ausgelegt.

Beschreibung

Der Helm zur Rüstung von der Seite

Der Harnisch für Ross und Reiter Sigismund II. August von Polen besteht aus dem Harnisch für das Ross, sowie der des Reiters. Der Rossharnisch besteht aus einer Rossstirn mit angesetzten, getriebenen Widderhörnern und einem Stachel auf der Stirn, einem oberen- und einem unteren Crinet, aus dem Fürbug, den Seiten- oder Flankenpanzern, aus dem Krupper, dem Zaumzeug und dem Turniersattel.

Der Reiterharnisch besteht aus einem geschlossenen Visierhelm mit doppeltem Visier und einer Arretiervorrichtung, kreisförmig angeordneten Luftgeben, sowie einer Hülse am hinteren Helm zur Aufnahme eines Helmbusches, einem Ringkragen, Brust- und Rückenpanzer, einem Rüsthaken, ganzen Armzeugen mit einem Brechrand an beiden Seiten sowie dreifach geschobenen Achseln und einer verkleinerten, ausgeschnittenen rechten Schulter um Platz für die Lanze zu bieten, Tassetten mit den Beinzeugen und Eisenschuhen. Die Konstruktionsart ist üblich der Art der deutschen Rüstungen zur Zeit der Herstellung. Besonderheiten sind nicht vorhanden[1].

Der Helm, geöffnet zum Überziehen

Die Dekoration ist mit unterschiedlichen Handwerkstechniken ausgeführt. Sie sind am Rossharnisch und auch auf der Rüstung des Reiters so gestaltet, das sie zueinander passen. Fast alle Teilstücke der Rüstungen sind am Außenrand umgeschlagen und mit einem Muster versehen, das an ein Seil erinnert ("geseilt", engl. "roped"). An den Außenbereichen der Rüstungsteile ist ein goldenes Band angebracht, das im Innenbereich mit einem linienförmigen, komplizierten Muster versehen ist, das fast an eine Art dekorierende Schrift erinnert (Arabeske). Dieses Muster findet sich an fast allen Bestandteilen. Desweiteren sind bandförmige Ornamente angebracht, die vertikal über die Rüstung laufen, und die Bestandteile in Abschnitte unterteilen. Die Bänder sind mit einem feinen Blatt- und Liniendekor graviert, die Linien sind schwarz eingefärbt, das restliche Band vergoldet. Die zwischen den goldenen Bändern liegenden Teile der Rüstung sind metallfarben belassen oder aber auch vernickelt und mit dem selben Muster graviert. Das Linienmuster in diesen Bereichen ist ebenfalls wieder schwarz eingefärbt. In der Mitte dieser bereiche sind eine Art Kartuschen angebracht, die wiederum in der gleichen Art graviert, aber ausschließlich vergoldet sind.

Der gesamte Reiterharnisch, aber auch der Rossharnisch sind immer in Abständen mit diesem wiederkehrenden Muster verziert, wobei fast keine Stelle auf dem gesamten Harnisch freigelassen wurde. Wie auch an anderen Rüstungen Lochners zeigt sich bei dieser eine Art "Angst" vor freien Flächen, die nicht ausgeschmückt sein könnten. Die Ätzmalerarbeiten führte ein unbekannter Künstler aus.

Fürst Nikolaus Radziwill, der Cousin von Sigismund II. Frau Barbara Radziwiłł, sah diese Rüstung in Stockholm und war so begeistert von dieser, das er auch eine Rüstungsgarnitur für dich selbst bei Kunz Lochner bestellte (Rüstung des Fürsten Nikolaus Radziwill). Diese ist heute in den Sammlungen des Kunsthistorischen Museums Wien aufbewahrt und in sehr ähnlicher Art dekoriert[2].

Einzelnachweise

  1. Die Rüstungen auf der Website der Livrüstkammaren Stockholm, (schwed., eingesehen am 01. Januar 2014)
  2. Manfred Riedel, Rehabilitierung der praktischen Philosophie, Band 1, Verlag Rombach, 1972, Seite 56, ISBN 978-3-7930-0624-4

Literatur

Der Rossharnisch ohne Sattel
  •  Matthias Pfaffenbichler, British Museum: Armourers-Medieval Craftsmen. University of Toronto Press, 1992, ISBN 978-0-8020-7732-5, S. 24.
  •  Michael Conforti, Guy Walton, National Gallery of Art (U.S.), Minneapolis Institute of Arts: Sweden: a royal treasury, 1550-1700. National Gallery of Art, 1988, ISBN 978-0-89468-111-0, S. 78.

Weblinks


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