Heinrich VIII."Genouilhac-Rüstung"

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Heinrich VIII. sogenannte "Genouilhac-Rüstung"

Heinrich VIII."Genouilhac-Rüstung" auch "Henry`s expensive Armour" ist eine englische Rüstung, die im Jahre 1527 in den Almain Armourers Royal Workshops in Greenwich für Heinrich VIII. gefertigt wurde. Diese Rüstung ist die erste Datierte und noch erhaltene Rüstung die von den Greenwich-Almain-Workshops, die von Heinrich VIII. 1515 geründet wurden,um Rüstungen für ihn selbst und Mitglieder seines Hofes herzustellen, gefertigt wurde. Es gilt als sicher. das der ausführende Meister Martin van Royne ("Old Martin") war.

Beschreibung[Bearbeiten]

Heinrich VIII."Genouilhac-Rüstung" besteht aus einer kompletten Rüstung für den Kampf zu Fuß und zu Pferd. Sie wurde ursprünglich als Rüstungsgarnitur hergestellt, von der aber heute nur noch wenige Teile wie eine verstärkten Brustplatte mit einem Rüsthaken, einer weiteren zusätzlichen Verstärkungsplatte für die Brust, einem linken Panzerhandschuh (Hentze), mit einer Stielscheibe und bis zum Ellbogen reichend, einem rechten, verriegelbaren Panzerhandschuh für den berittenen Schwertduellkampf, sowie einem Turniersattel und einer Rossstirn mit einer verbundenen Crinet. Diese sogenannten Verstärkungs- oder Wechselteile waren so konstruiert, das man eine vorhandene Rüstung mit diesen Teilen so erweitern konnte, das sie für alle existierenden Turnierarten dieser Zeit genutzt werden konnte. So war es möglich die Kosten für jeweils eine Rüstung pro Turnierart zu vermeiden.

Auffällig an dem Brustpanzer und der Verstärkungsplatte ist deren Konstruktion. Sie ist durch innenliegende Lederriemen so am Körper befestigt, das die Beriemung das Gewicht der Platten auf die Schultern verteilt. Dies hatte den Effekt, das auch schwere Turnier und Kampfrüstungen länger getragen werden konnten ohne das die Träger schnell ermüdeten. Diese Vorrichtung scheint eine inovative Entwicklung der Greenwich-Workshops zu sein, da man sie an anderen Rüstungen Heinrichs, die ebenfalls dort hergestellt wurden, finden kann. Ebenfalls andere, schwerere Rüstungen, die dort gefertigt wurden, wie die Arkebusierrüstung Pedro II. sind nach diesem System gearbeitet. Der Helm läuft verriegelt und drehbar in dem Ringkragen und die Eisenschuhe sind sogenannte "Bärentatzen" oder auch "Kuhmäuler" genannt, was meint, das sie Schuhe im vorderen Bereich verbreitert sind. Diese Schuhe entstammen in ihrer Form einer beliebten Modeeigenart der Tudors.

  • Herstellung

Man nimmt an das die Garnitur für Heinrich VIII. hergestellt wurde und von ihm als Geschenk an den französischen Botschafter François de La Tour d’Auvergne, Vicomtè de Turenne überreicht wurde, der die Botschaft Frankreichs im Jahre 1527 leitete. Von ihm wurde die Rüstung wahrscheinlich nach seinem Tod im Jahre 1532 an seinen Freund Jacques Ricard de Genouillac, genannt Galiot de Genouillac, (* 1465 im Schloss Assier, Quercy; † 15. Oktober 1546 im Schloss Végennes, Limousin) vererbt woher sie später in das Metropolitan Museum gelangte. Durch dessen Besitz der Rüstung nahm man an, das es seine eigene Rüstung war, da auch seine Körpermaße an die Heinrichs heranreichten. Aus diesem Grund wurde in der Fachwelt und der Literatur diese Rüstung als "Genouillac-Rüstung" bezeichnet und ist auch heute noch unter diesem Begriff oft zu finden[1], [2].

Dekoration[Bearbeiten]

Besonders hervorzuheben ist die Dekoration der Rüstung, die wohl die feinste und aufwendigste aller bekannten Greenwich Rüstungen darstellt, da sie von dem deutschen Maler Hans Holbein dem Jüngeren entworfen wurde. Die Darstellungen sind so vielfältig, das sie schwer alle auzuzählen sind. Unter anderem sieht amn Vögel, Blätter, Blumen, Blattranken, Putten, fischartige Wesen und auch ganze Kriegselefanten, die mit einem Howdah und einer Elefantenrüstung ausgestattet sind. Die Gravuren sind zum Teil extrem fein ausgeführt und die Rüstung fast komplett vergoldet was auch zu ihren Spitznamen "Henrys expensive Armour" (engl., "Heinrichs teure Rüstung") beigetragen hat. Genaugenommen bildet die Dekoration auf der Rüstung einem zusammenhängendes Gesamtbild. Heutzutage ist vieles der Vergoldung abgerieben und im laufe der Jahre verlorengegangen.

    • Abbildungen auf den einzelnen Rüstungs- und Verstärkungsteilen
  • Verstärkungsbrustplatte

Hier wurde am oberen Rand, nahe dem Halsausschnitt die Abbildungen von Meerjungfrauen gewählt, die innerhalb einer Umrahmung durch Pflanzenranken als Gruppe zusammensitzen, die einer Art Kartusche ähnlich sind.

  • Zentralplatte des Cuirass

Der Cuirass ist mit einer großen Abbildung in einer seitlich begrenzten Fläche versehen auf der sich die Gravuren befinden. Bei dem Motiv handelt es sich um einen Brunnen oder eine Quelle, aus dem eine Föntäne herausspringt, die dich wie ein Baum mit seinen Ästen an beiden Seiten aufteilt. Auf diesen Aufteilungen sitzen bewaffnete und gerüstete Figuren, mit Speeren, Schilden, Keulen und Äxten. Der Brunnen wird von mehreren Einhörnern auf beiden Seiten flankiert, die zum Teil ihre Köpfe in den Brunnen stecken und diesen reinigen. Im oberen Bereich steht eine Figur auf einem Sockel, die ein Tuch oder eine Art Toga in der Hand hält. Beiderseits der mittleren Figur sind musizierende Putten mit Trommel (rechts) und Querflöte (links) dargestellt. Im oberen mittleren Bereich sind wiederum zwei Putten, die ihre Hände in eine Schüssel oder einen weiteren Brunnen oder Quelle halten.

  • Seitenplatten des Cuirass

Auf den beiden Seitenplatten des Cuirass sind wiederum als Grundmotiv Mengen an Pflanzen und Pflanzenranken angebracht. Auf der rechten sind mehrere Hähne angebracht die miteinander im Kampf verwickelt sind, oder aber mit aufgerichtetem Gefieder posieren. Auf der linken Seitenplatte befinden sich Widder die ebenfalls miteinander Kämpfen und mit den Köpfen zusammenstoßen.

  • Zentrale Platte des Rückenpanzers

Auf diesem ist ebenfalls wieder das pflanzliche Grundmotiv angebracht. das Hauptmotiv bilden im unteren Bereich mehrere nach beiden Seiten laufende Hunde oder Wölfe, darüber angebracht sind Pflanzenranken, die zusammengefasst den Eindruck eines Baumes erwecken und dessen Äste zu beiden Seiten abstehen. Innerhalb dieser sind wiederum Figuren und Putten zu sehen, die zwischen den Ranken stehen oder im unteren Bereich, je rechts und links geflügelte Putten mit einem vollen Füllhorn ausgerüstet sind. Im mittleren Bereich teilen sich die Ranken, wobei in der Mitte, dort wo die Ranken auseinanderlaufen, ein bärtiges Männergesicht gearbeitet ist, zu dessen Seiten je rechts und links sich eine Putte mit Stöcken bewaffnet befindet. Direkt darüber ist eine Vase zu sehen, die von zwei Adlern, je einer rechts und links flankiert wird. In der Mitte ist ein radschlagender Pfau zu sehen. Am oberen Bereich stechen zwei Figuren ihre Hände in Wasser das aus der Vase austritt. Über diesen beiden befindet sich eine Banderole auf der "Anno 1527" geschrieben steht.

  • Seitliche Rückenpanzerplatten

Die linke Seitenplatte ist mit dem üblichen Grundmuster versehen. Das Hauptmotiv bilden mehrere Putten, geflügelt und ungeflügelt, die sich innerhalb der Pflanzen bewegen. Desweiteren sind Hunde, Vögel und Mengen an Blüten zu sehen. Die linke Putte ist mit einem Stock ausgestattet, mit dem er sich gegen einen der Hunde zu verteidigen scheint. Die rechte Seitenplatte ist mit den selben Figuren und Tieren ausgestattet, die jedoch anders positioniert sind und andere Handlungen durchführen.

  • Schulterpanzer

Der linke Schulterpanzer ist mit den Darstellungen von Löwen und Schlangen verziert, wobei ein männlicher- und ein weiblicher Löwe abgebildet sind, die mit den Köpfen zueinander stehen. Der weibliche Löwe sieht in Richtug des Betrachters, der männliche schaut nach links, in Richting eines Baumes von dem eine Schlange herunterkriecht. Zur rechten Seite liegt ein Löwe auf dem Boden, mit Schlangen nahe des Löwenkörpers. Der rechte Schulterpanzer zeigt eine auf einem Pferd oder Einhorn reitende Putte, die von einem großen Hund oder Wolf verfolgt wird. Unterhalb des Reittieres sieht man einen kleinen Hund, der mit dem Pferd mitläuft und zum Reiter schaut.

  • Helm

Auch hier ist wieder das gleiche Grundmuster vorhanden. Die linke Helmseite zeigt einen Kentauren, bewaffnet mit einem Bogen, sowie bewaffnete Putten mit Flügeln und miteinander ringende Putten. Die rechte Helmhälfte zeigt einen "wilden Mann" mit Bart und gedrehtem Stock, zwei seiner Söhne, seine Frau mit einem Kind und eine große Putte, die ein Horn spielt.

  • Tassetten

Die unterste Panzerplatte der rechten Tassette ist mit einer Abbildung der Götter Mars, Venus und Amor auch "Cupid" genannt versehen, rechts und links sind je ein Füllhorn angebracht. Die unterste Panzerplatte der linken Tassette zeigt den trinkenden Gott Baccus an einem Tisch sitzen, der von einem Mann mit Schürze (Wirt?) bedient wird. Rechts und links sind je ein Podest zu sehen auf denen Weinkrüge stehen.

  • Crinet

Der Crinet ist auf der zweiten Platte mit dem Grundmuster versehen sowie mit zusätzlichen Blumen und großen Blüten.

  • Hentze der Verstärkungsteile

Neben des Grundmusters sieht man hier Meermänner mit Fischschwänzen, Putten mit und ohne Flügel, Vasen, Blüten und zwei Männerfiguren in Rüstung, je eine oben und unten, die beide Arme erhoben halten, sowie Bandornamente.

  • Oberschenkelpanzer

Der rechte Oberschenkelpanzer zeigt wie gewohnt das florale Grundmuster und daneben eine grosse Darstellung des Herakles, im Kampf mit der geflügelten Hydra verwickelt, im Begriff diese mit seiner Keule zu erschlagen. Der rechte Oberschenkelpanzer zeigt den Kamf des Herakles mit dem Riesen Antaios, den Herkules umfasst und vom Boden abhebt.

  • Unterschenkelpanzer

Der rechte Unterschenkelpanzer zeigt wie gewohnt das Grundmuster. Das Hauptmotiv stell wiederum Herkules dar, der bekleidet mit dem Löwenfell auf jeder Schulter eine große Säule trägt. Außerdem sind Akhantusranken und Blüten angebracht. Der linke Unterschenkelpanzer zeigt das gleiche Grundmuster und wiederum eine Darstellung des Herkules, diesmal aber im Kampf mit dem Nemëischen Löwen.

  • Ringkragen

Der Ringkragen zeigt ebenfalls das Grundmotiv der Pflanzen und Ranken. Die Rückseite zeigt mehrere Engel die zusammen Singen.

  • Verstärkungsbrustplatten

Die rechte Brustplattenverstärkung zeigt das große Abbild eines Kriegselefanten mit Rüstung und einem Howdah und mehreren Bewaffneten, der eine menschliche Figur im Rüssel hält. Daneben sieht man einen Ritter in Rüstung mit einem Schwert bewaffnet, einen geschlossenen Visierhelm tragend und den Brustpanzer mit einem Rüsthaken ausgerüstet, dessen Unterkörper der eines Fisches oder eines Drachen ist, Putten mit und ohne Flügel und mit Waffen oder Instrumenten, sowie Vögel und Bandornamente. Die linke Seite zeigt fast die gleichen Abbildungen mit der Ausnahme, das der Elefant keinen Menschen im Rüssel trägt und das die Figur des Ritters hier durch eine weibliche Gestalt ersetzt ist, die ebenfalls den Unterkörper eines Fisches oder Drachen hat.

  • Armschienen

Die linke Armschiene zeigt das übliche Grundmuster sowie zwei Putten, die sich rechts und links einer Säule aus Blumen und Pflanzen stehend bekämpfen. Die Putten sind mit Stöcken oder Schwertern bewaffnet und halten beide in der linken Hand einen kleinen Fechtschild wobei man links einen Buckler erkennt und rechts ein größeres Rundschild[3].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website des Metropolitan Museum mit der Rüstung, (engl., eingesehen am 19. Dezember 2013)
  2.  Graeme Rimer, Thom Richardson, John P. D. Cooper, Royal Armouries Museum in Leeds (England): Henry VIII: arms and the man, 1509-2009. Royal Armouries, 2009, ISBN 978-0-948092-62-6, S. 151, 186, 214.
  3. Heinz Nickel, "A Harnes All Gilte": A Study of the Armor of Galiot de Genouilhac and the Iconography of Its Decoration, Metropolitan Museum Journal, Vol. 5, (1972), pp. 75-124, Online PDF-Datei, (engl., eingesehen am 19. Dezember 2013) [1]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Stephen Vincent Grancsay: The armour of Galiot de Genouilhac. Band 4 Auflage. Metropolitan Museum of Art, 1937.
  •  Kunsthistorisches Museum Wien, Austro-Hungarian Monarchy. Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 23. A. Schroll, 1963, S. 15, 15, 22.
  •  Stephen Vincent Grancsay, Metropolitan Museum of Art (New York, N.Y.): Arms & armor: essays from the Metropolitan Museum of Art bulletin, 1920-1964. The Museum, 1986, ISBN 978-0-87099-338-1, S. 131, 134, 136.
  •  Thom Richardson, Royal Armouries (Great Britain): The armour & arms of Henry VIII. Royal Armouries, 2002, ISBN 978-0-948092-49-7, S. 23, 24.

Weblinks[Bearbeiten]


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