Kürassierrüstung Johann Georgs I. von Sachsen

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Johann Georg I. von Sachsen zu Pferd, Druck von Samuel Weishun

Die Kürassierrüstung Johann Georgs I. von Sachsen ist eine Rüstung aus einer Gruppe von sieben gleichen Rüstungen, die um das Jahr 1612 in Italien oder Frankreich gefertigt wurden. Die Order für die Rüstungen erfolgte durch Magdalena Sibylle Kurfürstin von Sachsen (* 31. Dezember 1586 in Königsberg; † 12. Februar 1659 in Dresden) , welche die Gruppe als Weihnachtspresent für ihren Ehemann Kurfürst Johann Georg von Sachsen (* 5. März 1585 in Dresden; † 8. Oktober 1656 ebenda) bestellte. Der Brauch Rüstungen oder ganze Gruppen und Garnituren als Geschenke unter Eheleuten zu erwerben war zu dieser Zeit durchaus üblich. Diese Gruppe diente Johann Georg I. und seinen Freunden als persönliche Rüstungen im Turnier zu Fuß. Die restlichen Rüstungen der Gruppe werden in den Kunsthistorischen Sammlungen Dresden aufbewahrt. Vermutlich wurde die Arbeit von dem Plattner Christian Müller (*vor 1619 - †nach 1654) ausgeführt[1].

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Rüstung besteht aus Helm, Ringkragen, ganzen Armzeugen, Brust- und Rückenpanzer, Bauch- und Gesäßreifen, sowie langen Tassetten.

Der Helm ist ein Mantelhelm vom Typ eines Savoyarden-Burgonet oder auch eines Mantelhelmes. Die Kalotte des Helmes ist typisch leicht eiförmig getrieben. Das Helmvisier ist ebenfalls wie bei den typischen Savoyardenhelmen einem Totenkopf ähnlich geastaltet. Über den Helm läuft ein niedriger Helmkamm, der sich im Stirnbereich mit einem Augenschirm verbindet. Das Viesier ist nach oben aufschiebbar und kann mit einem eisernen Haken verriegelt werden. Der Ringkragen ist einteilig und an den Helm angearbeitet.

Der Brustpanzer ist als kurze Tapulbrust (sog. "Gansbauch") geschlagen und mit einem leichten Mittelgrat versehen. Am Rückenpanzer sind vier geschobene Gesäßreifen angehangen, wohingegen am unteren Brustpanzer ein abgebogener, umgeknickter Rand ausgearbeitet ist.

Die Armzeuge sind mit Achseln ausgestattet, die im oberen Bereich dreimal geschoben, im unteren an den Oberarmröhren fünfmal. Sie sind mit den Oberarmröhren durch Drehgelenke verbunden. Die Ober- und Unterarmröhren sind mit einer Ellbogenkachel beweglich verbunden und um den Arm herum ganz geschlossen. Sie können ebenfalls verriegelt werden.

Die Panzerhandschuhe sind mit Stulpen versehen und auf dem Handrücken sechsfach geschoben. Sie sind mit feingeschobenen Fingern gestaltet und vom Typus Fecht-Panzerhandschuhe.

Die Tassetten sind am unteren Brustpanzer mit Schnallen und verschließbaren Haken angehängt und laufen bis kurz unterhalb der Knie. Sie sind zwanzigfach geschoben und mit Kniepanzern ausgestattet.

Dekoration[Bearbeiten]

Die gesamte Rüstung ist mit einem Dekor versehen das die gesamten Teile der Rüstung einbezieht. Auf der gesamten Oberfläche sind in Ätzdekor Ranken, Akanthus-Ornamente, Blattarbeiten (gen. "rinceau"), Blüten, Blumen und Früchte ausgearbeitet. Kurz unterhalb des Ringkragens ist auf der Brustmitte und auf der Mitte des Rückenpanzers ein großer, stilisierter Löwenkopf angebracht, der den heraldischen Löwen im Wappen Sachsens wiedergibt.

Die restlichen sechs Rüstungen der Gruppe werden in den Staatlichen Kunstsammlungen im Dresdner Zwinger aufbewahrt.

Die hier beschriebene Rüstung wird heute im Philadelphia Museum of Arts aufbewahrt[2].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eine der restlichen sechs Rüstungen in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf deren Websites, (deut., eingesehen am 27. Februar 2015)
  2. Die Rüstungen auf den Websites des Philadelphia Museum of Arts, (engl., eingesehen am 27 Februar 2015)

Weblinks[Bearbeiten]


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