Lorenz, Kolman und Desiderius Helmschmid

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Rüstung Maximillian II. von Lorenz Helmschmid

Lorenz, Kolman und Desiderius Helmschmid waren Familienmitglieder einer Rüstungsmacherdynastie, die im europäischen Raum für 180 Jahre Maßstäbe für die Kunst der Rüstungsmacher und Dekorateure setzten. In manchen alten Schriften wird der Familienname auch als Colman oder Kolman angegeben und der Name Helmschmid als Zunahme erwähnt[1].

Lorenz Helmschmied

Bruststück mit Federmechanismus für das Geschiftrennen von Lorenz Helmschmid

Lorenz Helmschmid (*1450-†1455 oder 1515 Augsburg), war ein berühmter Harnischmacher (Plattner) in Augsburg und der Gründer der Plattnerdynastie der Helmschmids, die durch ihre Arbeiten große Bekanntheit in Europa, besonders den europäischen Fürstenhäuser genoß. Erwähnt wird er zum ersten mal im Jahre 1469.

Während seiner aktiven Zeit arbeitete er für viele bekannte Persönlichkeiten der europäischen Fürstenhäuser wie unter anderem für Kaiser Friedrich III. und Maximilian I., der ihn im Jahre 1491 zu seinem Hofplattner ernannte. Seine Werke sind an seinem Beschlagzeichen leicht zu erkannen. Er führte als Marke einen Stechhelm, der mit einem Kreuz als Zimier versehen ist. Bereits im Jahre 1492 begann sein Sohn Kolman bei ihm in der Werkstatt zu arbeiten. Seine Werke aus der Zeit um die Jahrhunderwende 1400-1500 sind nur schwer zuzuordnen. Lorenz Helmschmid bevorzugte und verwendete bei seinen Werken den gotischen Stil. Nach seinem Tode übernahm sein Sohn Kolman die Werkstatt.

Werk

Kolman Helmschmid

Kolman Helmschmid und seine Frau Agnes Breu, Gemälde von Jörg Breu
Rüstung des Andreas Graf Sonneberg von Kolman Helmschmid

Kolman Helmschmid (*1470-†1471 oder 1532 Augsburg) auch Colman oder Koloman war ein berühmter Harnischmacher in Augsburg. Er war der Sohn von Lorenz Helmschmid. Kolman war wohl das berühmteste Mitglied der Plattnerfamilie Helmschmid aus Augsburg. Durch Kontakte seines Vaters und der Werkstatt zum Kaiserhaushaus arbeitete er ab dem Jahre 1510 für Maximilian I. und Kaiser Karl V.. Außerdem führte er Arbeiten für andere Fürsten Europas aus, wie den Herzog von Mantua, den Herzog von Preußen und Albrecht von Brandenburg. Seine erste gesicherte Arbeit ist ein Harnisch, den er im Jahre 1510 für Andreas von Sonnenberg anfertigte. Als Meistermarke führte er einen Stechhelm mit einem sechsstrahligen Stern und dem Stadtwappen von Augsburg. Es war die erste Arbeit der Helmschmids im neu aufgekommenen Stil der Renaissance.

Werk

Desiderius Helmschmid

Rüstungsgarnitur mit Rossharnisch Kaiser Ferdinand I.

Desiderius Helmschmid (*1513- † nach 1578) war ein berühmter Rüstungsmacher aus Augsburg. Er war der Sohn von Kolman Helmschmid. Zum ersten mal wird sein Name in den Steuerdokumenten der Stadt Augsburg im Jahre 1534 erwähnt. Zum Beginn seiner Karriere arbeitete er in der Werkstatt seines Stiefvaters Hans Lutzenberger, bevor er im Jahre 1546 die Werksatt seines Vaters übernahm.

Wie seine Vorfahren arbeitete er für die europäischen Fürsten wie Kaiser Karl V., Philipp II. von Spanien. Von Karl V. wurde er zum "Leibharnischer" ernannt. Um 1550 war er Mitglied des Stadtrates von Augsburg, verließ aber Augsburg und gab die Werkstatt auf. Er ging an den Hof des Herzogs von Bayern, wo er dessen Vogt wurde. Mit dieser Entscheidung endete die Plattnerdynastie der Helmschmids aus Augsburg. Seine wohl berühmteste Arbeit war eine Rüstung, die er für Philip II. von Spanien fertigte, und die nach der Schlacht am Mühlenberg benannt wurde, bei der Philip sie trug.

Viele der Ätzarbeiten Helmschmids wurden von dem Ätzmaler Jörg Sorg aus, dessen Musterbücher erhalten lieben. Unter anderem führte er die Arbeiten an der Rüstung Philips II:, der sogenannten "Mühlenberggarnitur" aus, die auf dem bekannten Bild von Tizian verewigt wurde[2],[3].

Werk

Rennharnisch Maximilian I.
Tonnenrockharnisch Karl V.

Einzelnachweise

  1. Calvert Frederick, Spanish Arms and Armour, Being a Historical and Descriptive Account of the Royal Armoury of Madrid, Verlag BiblioBazaar, LLC, 2009, Seite 76, ISBN 978-1-110-30831-6
  2. K. G. Saur Verlag GmbH & Company, Große Bayerische Biographische Enzyklopädie, Verlag Walter de Gruyter, 2005, Seite 818-819, ISBN 978-3-11-097344-0
  3. Website des Stadtarchiv Augsburg, (deutsch,eingesehen am 21. September 2013)
Paar Panzerhandschuhe von Maximillian I., hergestellt von Lorenz Helmschmid

Literatur

  •  Noël Fallows: Jousting in Medieval and Renaissance Iberia. Boydell Press, 2010, ISBN 978-1-84383-594-3, S. 122 (engl.).
  •  Alan R. Williams: The Knight and the Blast Furnace: A History of the Metallurgy of Armour in the Middle Ages & the Early Modern Period. BRILL, 2003, ISBN 978-90-04-12498-1, S. 456 (engl.).
  •  Ewart Oakeshott: European Weapons and Armour: From the Renaissance to the Industrial Revolution. Boydell Press, 2012, ISBN 978-1-84383-720-6, S. 206 (engl.).
  •  Stephen Vincent Grancsay, Metropolitan Museum of Art: Arms & armor: essays from the Metropolitan Museum of Art bulletin, 1920-1964. The Museum, 1986, ISBN 978-0-87099-338-1, S. 190,211,235 (engl.).
  •  Gordon Campbell: The Grove Encyclopedia of Decorative Arts: Vol I- AAlto-Kyoto Pottery ; Vol. II- Labhardt-Zwischengoldglas. Oxford University Press, 2006, ISBN 978-0-19-518948-3, S. 33 (engl.).

Galerie

Weblinks


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