Rüstung des Andreas Graf von Sonneberg-Friedberg

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Rüstung des Andreas Graf von Sonnenberg-Friedberg

Die Rüstung des Andreas Graf von Sonneberg-Friedberg ist eine deutsche Rüstung, die in den Jahren 1505 bis 1510 von dem berühmten Augsburger Plattner Kolman Helmschmid (*1470-†1471 oder 1532 Augsburg) für Graf Andreas von Sonnenberg-Friedberg (auch Endress von Sonnenberg; † 10. Mai 1511) gefertigt wurde. Ursprünglich wurde die Rüstang als Teil einer Rüstungsgarnitur gefertigt, von der heute auch noch mehrere Teile vorhanden sind.

Beschreibung[Bearbeiten]

Andreas von Sonnenberg in der Truchsessenchronik

Die Rüstung war ursprünglich als Rüstungsgarnitur gefertigt und besteht aus Helm, Ringkragen, Brust- und Rückenpanzer, Armzeugen, Bauch- und Gesäßreifen, Tassetten, und Beinzeugenm sowie mehreren Verstärkungs- oder wechselteilen für das Turnier.

Der Helm ist in normaler Kopfform, leicht länglich gearbeitet. Auf der Kalotte ist ein niedriger Helmkamm angebracht und der Helm ist mit einem einteiligen Visier ausgestattet. Das Visier hat zwei Sehschlitze die horizontal auf dem oberen Visier angeordnet sind. Es ist spitz zulaufend gearbeitet und unterhalb der Sehschlitze sind auf jeder Visierseite sechs vertikale, rechteckige Luftgeben angebracht. Auf den unteren Visierseiten sind je neun, in Dreiergruppen angeordnete Luftgeben aus runden Löchern, sowie direkt darunter fünf rechteckige Luftgeben horizontal nebeneinander angebracht.

Der Ringkragen ist dreifach geschoben und am oberen Ende umgeschlagen um den Hals nicht zu verletzen. Er ist direkt mit dem Brustharnisch verbunden.

Der Brustpanzer ist als Kugelbauch gearbeitet und ohne Grat. In der Tallie läuft er schmal zusammen und direkt mit dem ersten Bauchring vernietet. Auf der rechten Brustseite ist ein Rüsthaken angebracht, der zum auflegen der Lanze beim Anreiten dient. Am unteren Ende des Brust und Rückenpanzers sind je fünf Bauch-, beziehungsweise Gesäßreifen angebracht, die untereinander beweglich vernietet sind.

Die Armzeuge sind mit Brechrändern versehen, wobei der linke Brechrand etwas größer ist wie der linke. Ebenso ist die linke Achsel größer als die linke garbeitet, da diese kleiner und am unteren Ende ausgeschnitten ist, um der angelegten Lanze mehr Platz zu bieten. Im Bereich der Achselhöhlen ist ein Teil der Achseln verlängert und umgebogen um die Achselhöhlen vor einem Lanzenstich zu schützen. Die Achseln bestehen aus einem Stück und sind nicht geschoben gestaltet. Die Oberarmröhren sind fünffach geschoben und durch ein Drehgelenk mit den Ellbogenpanzern verbunden. Die Ellbogenpanzer sind auch auf der Innenseite geschlossen und mehrfach geschoben. Der Ellbogenpanzer ist mit einer Ellbogenkachel versehen und an der Ellbogenaußenseite abgerundet. Die Unterarmröhren sind zweiteilig und können verriegelt werden. Sie sind ebenfalls durch ein Drehgelenk mit den Panzerhandschuhen verbunden.

Die Panzerhandschuhe sind als Hentzen gearbeitet, am Handrücken vierfach- und am Bereich der Finger sechsfach geschoben. Der angesetzte Daumenpanzer besteht im Bereich des Daumenballens aus einer an den übrigen Panzer angebieteten Platte, wobei der Daumenvorderbereich dreifach geschoben ist.

Die Tassetten sind vierfach geschoben und reichen bis zur Mitte der Oberschenkel und sind durch Nieten untereinander und mit den Bauchreifen beweglich verbunden.

Die Beinzeuge bestehen aus nach hinten offenen Panzern, die mit Lederriemen am Bein fixiert werden. Die Kniebuckel sind rundlich und ober- wie unterhalb zweifach geschoben. Die Unterschenkelpanzer sind zweiteilig und können verriegelt werden. Im Bereich der Fußoberseite sind die Eisenschuhe achtfach geschoben und im Zehenbereich mit einer Panzerplatte über und einer unter den Zehen gefertigt. Die Vorderfußpanzer sind leicht verbreitert um ein herausrutschen der Füße aus den Steigbügeln zu verhindern.

An Verstärkungs- oder Wechselteilen existieren noch ein seperater Brust- und Rückenpanzer bei denen der Brustpanzer auf der linken seite mit einer angenieteten Achselverstärkung versehen ist, ein Turnierhelm mit vergrößertem Visier, ein linker Panzerarm, der ganz geschlossen und mit einer vergrößerten Armkachel versehen ist, die drehbar mit dem Unterarmpanzer verbunden ist. Die ansitzende Hentze ist ebenfalls drehbar mit dem Unterarmpanzer verbunden. Desweiteren gehört noch eine Brechscheibe- oder Brechschild zu den Teilen, der an der Holzlanze befestigt wird und zum Schutz der rechten Führungshand dient. Alle diese Teile sind extrem verstärkt und zum Teil, wie das Visier vergrößert, es ist mit der Brustverstärkung und der Schulterverstärkung fest vernietet und nicht beweglich, so das der Kopf aber unter dem Visier drehbar ist. Diese Teile wurden entwickelt um maximalen Schutz beim Turnier zu bieten.

Dekoration[Bearbeiten]

Das Dekor der Rüstung besteht aus gravierten Bändern, die fast alle an den Außenrändern der einzelnen Rüstungsstücke verlaufen. Im inneren sind die Bänder mit Abbildungen von Blättern, Blattranken, Blüten, Blumen in Töpfen und Weintrauben versehen. Die Verzierungen wurden mit Gold auf dem schwarzen Hintergrund aufgemalt und anschließend eingebrannt ([[Feuervergoldet). Außer den Goldarbeiten sind noch Zierschliffe an den Geschüben des Ringkragens, der Bauch- und Gesäßreifen sowie den Tassetten eingeschliffen. Auf dem Rückenpanzer befindet sich eine Inschrift, die "Ave Maria" lautet.


Die Rüstung wird heute in den Sammlungen des Kunshistorischen Museum in Wien aufbewahrt[1], [2], [3].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Rüstung auf den Websites des Kunsthistorischen Museum Wien, (deut., eingesehen am 20. März 2015
  2. Die Verstärkungsteile auf den Websites des Kunsthistorischen Museum Wien, (deut., eingesehen am 20. März 2015
  3. Die Verstärkungsteile auf den Websites des Kunsthistorischen Museum Wien, (deut., eingesehen am 20. März 2015

Literatur[Bearbeiten]

  •  A .F. Richter: Neueste Darstellung der k.k. Ambraser-Sammlung im Belvedere in Wien ... und des ethnographischen Cabinets. Hass, 1835, S. 44.
  •  Carl Eduard Vehse: Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation, Band 44. Hoffmann und Campe, 1858, S. 11.
  •  Eduard Sacken (freiherr von.): Die K.k. Ambraser-Sammlung. 1855, S. 198.

Weblinks[Bearbeiten]


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