Rüstung des Hofriesen Bon

Aus Waffentechnik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rüstung Bartolomä Bons

Die Rüstung des Hofriesen Bon ist eine Rüstung, die in Österreich für den Hofriesen Bartlmä Bon (*† unbekannt) auch Bartolomä, Barthelmà, wahrscheinlich mit richtigen Namen Giovanni Bona aus Riva del Garda bei Trient /Italien um 1560 gefertigt wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Bartlmä Bona war der "Hofriese" und Begleiter Rudolf II. , der sich Nachweisbar von diesem im Alter von 6 Jahren zum sechsten Aufzug des Fußturniers das 1560 in Wien ausgerichtet wurde zu den einzelnen Kämpfen begleiten bei denen auch die kaiserliche Familie anwesend war.

Bona war Bauer von Beruf und kam Aufgrund seiner Größe nach unterschiedlichen Angaben, von etwa 240cm-260cm, geschätzt nach der Rüstung, an den Hof Kaiser Ferdinand II., wo er auch Rudolf II. diente. Bona lebte auf Schloss Ambras und stellte eine der damals weithin beliebten und geschätzten "Kuriositäten" dar, die ebenso wie Zwerge und Menschen mit seltenen Karnkheiten und Deformierungen zu dieser Zeit darstellten und die eine fast abartige Neugier und eine Art böser Freude auslöste, wie auch etwa der "Haarmensch" Petrus Gonsalvus (*1556)[1] oder einen Körpertbehinderten den man nur mit einer roten Mütze auf dem Kopf und einem Faltenkragen bekleidet gemalt hatte. Ein auf dem Bild befestigtes rotes Papier musste erst angehoben werden um das Bild zu betrachten was wohl die Neugier darauf noch erhöhte. Nach dem Bild wurde von modernen Ärzten die Diagnose gestellt, das der Abgebildete wohl unter Arthrogryposis multiplex congenita [2],[3] litt. Auf die gleiche Art, anhand des Gemäldes, diagnostizierten Ärzte das Bon wahrscheinlich unter einem Hypophysenadenom und daraus entstehender Akromegalie litt, die seinen Riesenwuchs auslöste[4].

Viel ist über das Leben Bons nicht bekannt. Von ihm sind neben seiner Rüstung noch eine lebensgroße Holzstatue erhalten, sowie ein Gemälde das ihn zusammen mit dem "Hofzwerg" "Thomele" abgebildet[5], den man dazu benutze auf einem Hochzeitsbankett in München aus einer Pastete zu springen, wenn jemand versuchte diese anzuschneiden. So musste Bon den noch jugendlichen Rudolf auch als "Wilder, haariger Mann" begleiten, bei der er in ein langhaariges Kostüm gesteckt wurde und einen Baumstamm schwingend auftrat. Dieser Auftritt bei dem Turnier wurde von dem Künstler Giuseppe Arcimboldo in einer Zeichnung, auf der Bon im Köstüm, aber auch der sechsjährige Rudolf abgebildet sind, festgehalten[6], [7], [8].

Die Rüstung[Bearbeiten]

Die Rüstung des Hofriesen Bon besteht aus einer Sturmhaube, einem Brust- und Rückenpanzer, geschobenen Achseln und Tassetten. Sie entpricht in ihrer Bauart einer typischen Landsknechtsrüstung dieser Zeit. Unter der Rüstung ist die rot-weisse Landsknechtsuniform mit gepufften Ärmeln und geschlitzten Beinkleidern zu sehen.

Die Rüstung wurde von dem Plattner Melchior Pfeiffer (erwähnt um 1559 - 1571), der in Innsbruck und Prag arbeitete hergestellt. Dekorationen in geschwärzter Ätzarbeit ausgeführt befinden sich an den Aussenrändern der Rüstungsteile sowie in der Mitte und den Rändern des Brustharnischs. Die Rüstung ist an einer hölzernen Gliederpuppe die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gefertigt wurde angezogen zu sehen, die eine Größe von 283cm, eine Breite von 90cm und eine Tiefe von 100cm.

Die Maße des Harnischs:

  • Höhe: 195cm
  • Breite: 95cm
  • Tiefe: 40cm

Zur Rüstung gehört ein Europäischer Zweihänder, der wohl für Bon speziell gefertigt wurde[9] .

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der "Haarmensch" Petrus Gonsalvus, Gemälde eines unbekannten Meisters im Kunsthistorischen Museum Wien, (deut., eingesehen am 11. Dezember 2013)
  2. Website von Die Presse mit einem Text über die Raritätensammlungen Ferdinand II., (deut., eingesehen am 11. Dezember 2013
  3. Gemälde des "Behinderten Mannes" bei Blogspot, (eingesehen am 11. Dezember 2013)
  4. Infoss und Daten über Bon bei Europeana, (deut., eingesehen am 11. Dezember 2013)
  5. Gemälde von einem unbekannten Meister im Kunsthistorischen Museum Wien, (deut., eingesehen am 11. Dezember 2013)
  6. Zeichnung von Giuseppe Arcimboldo im Kunsthistorischen Museum Wien , (eingesehen am 11. Dezember 2013)
  7. Zeichnung von Giuseppe Arcimboldo im Kunsthistorischen Museum Wien, (eingesehen am 11. Dezember 2013)
  8. Ulrike Wörner, Die Dame im Spiel: Spielkarten als Indikatoren des Wandels von Geschlechterbildern und Geschlechterverhältnissen an der Schwelle zur Frühen Neuzeit, Band 21 von Regensburger Schriften zur Volkskunde - vergleichenden Kulturwissenschaft, Waxmann Verlag, 2010, Seite 352, ISBN 978-3-8309-7332-4
  9. Die Rüstung im Kunsthistorischen Museum Wien, (deut., eingesehen am 11. Dezember 2013)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Monika Gomille: Sammler - Bibliophile - Exzentriker, Band 1 von Literatur und Anthropologie. Gunter Narr Verlag, 1998, ISBN 978-3-8233-5700-1, S. 168.
  •  Ulrike Wörner: Die Dame im Spiel: Spielkarten als Indikatoren des Wandels von Geschlechterbildern und Geschlechterverhältnissen an der Schwelle zur Frühen Neuzeit, Band 21 von Regensburger Schriften zur Volkskunde - vergleichenden Kulturwissenschaft. Waxmann Verlag, 2010, ISBN 978-3-8309-7332-4, S. 352.
  •  Alfred Auer, Elisabeth Scheicher, Schlosssammlung Ambras: Wir sind Helden: habsburgische Feste in der Renaissance. Kunsthistorisches Museum Wien, 2005, ISBN 978-3-85497-094-1, S. 65, 76, 155.
  •  Austro-Hungarian Monarchy. Oberstkämmerer-Amt, Austro-Hungarian Monarchy. Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, Kunsthistorisches Museum Wien: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 70. A. Holzhausen, 1974, S. 205.

Weblinks[Bearbeiten]


Info Sign.svg Der Inhalt von Rüstung des Hofriesen Bon ist im WaffenTechnikWiki entstanden. Es kann sein, dass diese Information nur hier verfügbar ist.