Rüstung des Konrad von Bemelberg und Boyneburg

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Druck Konrads von Boyneburg aus dem Buch "Zweihundert Bildnisse und Lebensbeschreibungen berühmter deutscher Männer", 2. Auflage 1857" von Ludwig Bechstein

Die Rüstung des Konrad von Bemelberg und Boyneburg ist eine Rüstung für Landsknechte, die für Konrad von Bemelberg und Boyneburg auch Boyneburg, oder Bemelberg, genannt "Der kleine Hesse" (* 1494 in Bischhausen; † 29. Juni 1567 in Schelklingen), einen der bedeutendsten Anführer und Generallieutenant der Landsknechte Karl V. (* 24. Februar 1500 in Gent; † 21. September 1558 im Kloster San Jerónimo de Yuste, Extremadura). Er kämpte u.a gegen Franz I. von Frankreich, sowie in der Schlacht bei Pavia (1525), der Schlacht vor Mantua, der Schlacht um Rom. Im Mai 1527 leitete er die Erstürmung der Sixtusbrücke. Er begleitete den Kaiser auf den Reichstag zu Augsburg (1530), und wurde von Karl V. zum „Goldenen Ritter“ geschlagen. Danach kämpte er bei der Eroberung von Florenz, 1532 nahm er am Krieg gegen die Osmanen teil und kämpte später in der Schlacht bei Lauffen (1534). 1536 kämpte er für Kaiser Karl V. beim zweiten Romzug erneut gegen die Franzosen, 1542 gegen die Türken, und 1544 nahm er an den weiteren Kämpfen gegen Frankreich und am Schmalkaldischen Krieg teil. 1557 kämpfte er für Philipp II. von Spanienin der Schlacht bei St. Quentin gegen die Franzosen. Von König Ferdinand I. erhielt er den Titel eines „Hofkriegsrates“ und „Feldhauptmannes“.

Er wurde geehrt in dem er in dem Buch von Ludwig Bechsteins „200 deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen“ (Leipzig 1854) mit seiner Geschichte erwähnt wurde.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Rüstung wurde gegen 1535-1540 von dem berühmten Plattner Wolfgang Großschedel (* um 1490-†1562 Landshut) in Landshut gefertigt. Die Dekorationen wurden von Ambrosius Gemlich, einem Ätzmaler der in den Jahren 1527-1542 erwähnt wird und in München und Landshut tätig war angefertigt. Die zur Rüstung gehörende Sturmhaube wurde von Valentin Siebenbürger (* unbekannt-† etwa 1564 Nürnberg) hergestellt. Die Rüstung ist vom Typus eine typische Dreiviertelrüstung und besteht aus Sturmhaube, Ringkragen, Brust- und Rückenpanzer, den Armzeugen, knielangen Tassetten sowie einer Schamkapsel (auch Braguette, Bragetto, Brayette, Latz oder Gliedschirm) die im 15.Jahrundert und 16. Jahrhundert in der zivilen Bekleidung, aber auch an Rüstungen in Mode war.

Die Sturmhaube ist mit einer fast halbkugelförmigen Kalotte versehen, sowie mit beweglichen, geschobenen Wangenklappen. Sie besitzt einen kurzen Nacken- und Augenschild sowie ein Naseneisen. Der Ringkragen ist vierfach geschoben und am Halsbereich seilähnlich ("geseilt") gestaltet.

Der Brustpanzer ist leicht nach außen gewölbt, mit einem leichten Mittelgrat versehen und hat am unteren Ende vier geschobene Bauchreifen. Die Ränder am Hals und an den Armausschnitten sind ebenfalls geseilt gestaltet. Auf der rechten Brustseite befinden sich zwei Löcher, die für die Befestigung eines Rüsthakens gedacht sind. Somit scheint die Rüstung sowohl für den Kriegs- als auch für den Turniereinsatz verwendet worden zu sein. Der Rüsthaken ist heute wahrscheinlich nicht mehr erhalten.

Die Armzeuge bestehen aus sechsfach geschobenen Schulterpanzern (Achseln), die Oberarmröhren sind vollständig geschlossen und am oberen Ende, am Anschluß an die Schulterpanzer zweifach geschoben. Die Ellbogen sind durch Ellbogenkacheln geschützt. Die Unterarmröhren sind geschlossen, aber auf der Innenseite der Unterarme mit einem offenen Gittermuster versehen, das wohl zur Belüftung diente. Die Tassetten sind elffach geschoben und durch Lederrschnallen mit den Bauchreifen verbunden. Sie reichen bis an die Knie, wobei diese mit Panzern geschützt sind.

Die Schamkapsel ist normal gestaltet und hat eine gerade Form.

Beinröhren waren bei dieser Rüstung nicht vorgesehen. Die zur Rüstung gehörigen Panzerhandschuhe sind nicht mehr erhalten.

Dekoration[Bearbeiten]

Die Dekoration besteht aus gravierten Bändern, die meist an den Rändern der einzelnen Rüstungsteilen angebracht sind. An den Ellbogenkacheln, den Schulterpanzern, den Tassetten und den Beinzeugen sind zusätzlich geseilte Ränder ausgearbeitet. Die Lederschnallen, die an den Tassetten angebracht sind um diese mit den Bauchringen beweglich zu verbinden, sind mit vergoldeten Metallrosetten an den Bauchreifen befestigt. Im inneren der Bänder ist die Dekoration als Ranken- und Blumenmuster ausgeführt.

Das Hauptmotiv ist auf dem Brustpanzer zu sehen. Es zeigt auf der linken Brustseite eine Kreuzigungsszene, auf der rechten Brustseite sieht man einen Landsknecht, der knieend und betend dargestellt ist. Vermutlich handelt es sich um von Bemelberg und Boyneburg selbst. Getrennt wird sie Darstellung durch das Dekorationsband auf dem Grat des Brustpanzers, das zusätzlich oben durch zwei Medaillons mit der Abbbildung männlicher Köpfe ergänzt wird, sowie rechts und links des Bandes durch weitere Blatt- und Rankenabbildungen. Dort findet sich auch die Signatur des Ätzers Ambrosius Gemlich, die Buchstaben A.G., die etwa in Höher der Hände der knienden Figur angebracht sind (siehe Weblink Nr.5).

Die Rüstung wird heute in den Sammlungen des Kunsthistorischen Museums in Wien aufbewahrt[1], [2].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Rüstung auf der Website des Kunsthistorischen Museum in Wien, (deut., eingesehen am 23. Februar 2015
  2. Wendelin Boeheim, Handbuch der Waffenkunde Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1890, Fourier Verlag, Wiesbaden 1985, Seite 156 (Abbildung), ISBN 978-3-201-00257-8

Literatur[Bearbeiten]

  •  Joseph I Ritter von Bergmann: Uebersicht der kaiserlich-königlichen Ambraser-Sammlung (im untern k. k. Belvedere) nach ihrer dermaligen Aufstellung. Hof- u, Staats-Druckerei, 1846, S. 13.
  •  Roberto Capucci, Christian Beaufort-Spontin, Kunsthistorisches Museum Wien: Roben wie Rüstungen. Das Bundesministerium, 1990, ISBN 978-3-900926-07-6, S. 153.
  •  Rainer Leng: Ars belli: deutsche taktische und kriegstechnische Bilderhandschriften und Traktate im 15. und 16. Jahrhundert, Band 12 von Imagines Medii Aevi. Interdisziplinare Beitrage Zur Mittelalterforschung. Isd, 2002, ISBN 978-3-89500-261-8, S. 301.

Weblinks[Bearbeiten]


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