Rüstungsgarnitur Ferdinand I.

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Rüstungsgarnitur Ferdinand I.

Die Rüstungsgarnitur Ferdinand I. ist eine östereichische Rüstungsgarnitur, die im Jahre 1526 von dem berühmten Plattner Kolman Helmschmid (*1470-†1471 oder 1532 Augsburg) aus Augsburg für Ferdinand I. (* 10. März 1503 in Alcalá de Henares bei Madrid; † 25. Juli 1564 in Wien) Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Erzherzog von Österreich und König von Böhmen, Kroatien und Ungarn geferigt wurde. Die Rüstung besteht aus einem Feld- und Turnierharnisch für den Reiter, sowie einem Rossharnisch für das Pferd. Die Rüstung für den Reiter ist zum Teil als Riefelharnisch gefertigt, teils glatt und blank, der Rossharnisch ist fast ganz als Riefelharnisch gearbeitet. Diese Garnitur ist die älteste erhaltene Rüstung der Übergangszeit nach dem Tode Maximilian I. (HRR) am 12. Januar 1519. Kolman Helmschmid entwickelte aus der Maximilianischen Rüstung zum Welschen-Rennen eine neue Rüstung zum Welschen-Gestech[1].

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Rüstung des Reiters

Die Rüstung für den Reiter besteht aus einem Visierhelm, einem Ringkragen, Brust- und Rückenpanzer, ganzen Armzeugen, Bauchreifen, Tassetten, dem Beinzeugen, sowie mehrere Verstärkungs- oder Wechselteile. Der Rossharnisch besteht aus einer Rossstirn, dem Crinet, dem Fürbug, dem Turniersattel, gepanzertem Zaumzeug, sowie dem Krupper.

Der Helm besteht aus einer fast kugelförmigen Kalotte mit geriffelter Oberfäche und einem niedrigen Helmkamm, sowie einem Klappvisier. Die Sehschlitze sind schmal und am Visier tifliegend, der vordere Teil des Visiers ist lang, keilförmig zulaufend gearbeitet. An den Visierseiten sind auf jeder Seite achtzehn Luftgeben in je zwei Reihen angeordnet. Auf der rechten Visierseite ist eine Mechankik zum öffnen und schließen des Visiers mit behandschuhten Händen angebracht. Der Helm ist mit einem Drehgelenk am Ringkragen befestift, was besseren Schutz für den Hals bietet, da keine Öffnung vorhanden ist, aber die Bewegung des Kopfes fast nur auf die Drehbewegung nach rechts und links zulässt. Die Auf- und Abbewegung des Kopfes ist dadurch stark eingeschränkt.

Der Ringkragen ist mit dem Gegenstück zu dem Drehgelenk am Helm versehen und im Bereich darunter gerifelt und vierfach geschoben. Das oberste Geschübe ist blank, die anderen drei sind geriffelt gearbeitet.

Der Brust- und Rückenpanzer ist ebenfalls unterschiedlich gestaltet. Ber Brustpanzer ist zweiteilig. Er ist an der oberen Brust leicht bauchig gearbeitet, gerifelt und reicht etwa bis zum Bauchnabel. Das untere Teil der Brust ist glatt gearbeitet, am oberen Ende mehrfach bogenförmig und leicht spitz gearbeitet. In der oberen Mitte ist ein Loch zum arretieren der oberen Brust angebracht. Das untere Teilstück ist am Ende nach vorn ausgeschlagen und mit den Bolzen versehen, die dazu dienen die Tassetten aufzuhängen.

Die Tassetten sind fünffach geschoben, gerifelt und mit einem Rand versehen.

Das Beinzeug beginnt am Oberschenkel. Die Oberschenkelröhren sind gerifelt, bedecken nur die vorderen Oberschenkel und werden mit Lederriemen und Schnallen an den Beinen befestigt. Sie sind mit den Kniepanzern beweglich verbunden, die mit großen Kniemuscheln versehen sind. Die Kniepanzer sind am oberen und unteren Ende je zweifach geschoben. Daran sind die Unterschenkelröhren befestigt, die glatt und zweiteilig gearbeitet sind. Die Verriegelung erfolgt über Metallhaken. Im Bereich der Knöchel und bis zu den Zehen sind die Eisenschuhe geschoben um dem Fuß bessere Bewegungen zu ermöglichen.


Der Rossharnisch

Der Rossharnisch ist fast ganz gerifelt gearbeitet. Die Rossstirn umgibt den Kopf vom Oberkopf bis an die Nüstern. Sie ist über ein Scharnier mit dem Crinet verbunden um die Stabilität zu erhögen und beide Teile gemeinsam angezogen werden können. An den Ohren sind waagerecht aufgestellte Panzer zum Schutz der Ohren des Pferdes ausgearbeitet, die ebenfalls gerifelt sind. Auf der Stirn ist unterhalb der Augenöffnungen ein zweischwänziger Löwe ausgestrieben, der als Symbol der Böhmen gilt, da Ferdinand I. 1526 auch König von Böhmen wurde.

Der Crinet ist ebenfalls gerifelt gearbeitet und achtfach geschoben. Er ist mit einem Scharnier an der Rossstirn und mit Riemen am Fürbug befestigt sowie mit einem gepanzerten Band um den Hals des Pferdes herum. Die einzelnen Geschübe sind mit Nieten beweglich verbunden

Der Fürbug ist geriefelt und leicht nach außen gebogen geataltet. Über den Schultergelenken sind aus Stahl halbkugelförmige Gelenkpanzer aufgesetzt, die den Gelenken des Pferdes mehr Spielraum geben sollten. Diese Panzer sind auf der Außenseite mit einem stilisierten Löwenkopf geschmückt, der aus dem Stahl herausgetrieben sind und nach Fertigstellung vergoldet worden.

Das Zaumzeug besteht aus Leder oder einem gewobenen Band, die mit Platten die dreieckig geformt sind beschlagen. An den Spitzen der Dreiecke sind Kugeln aus Messing angebracht.

Der Sattel ist als typischer Turniersattel "in hohem Zeug" angelegt, das heißt, das der Sattel so konstruiert ist, das der Reiter buchstäblich im Sattel steht. Er ist an den vorderen Sattelhörnern und dem hinteren Sattelhorn mit zwei, beziehungsweise einer Panzerplatte ausgestattet. Die vorderen- wie auch hinteren Platten sind geriefelt gestaltet.

Der Krupper besteht aus Lederriemen, die mit Panzerplatten beschlagen und kreuzförmig auf der Kruppe aufgelegt. Oben am höchsten Punkt des Kruppers ist eine Art pilzförmiger Knauf angearbeitet, der zur Zier dient. Der Schweifschutz oder Schweifhalter ist als Drachen ausgetrieben.

Die Verstärkungs- und Wechselteile bestehen aus einem schweren, stark nach vorn ausgezogenen Bart, der die gesamte Vorderseite, sowie die linke Seite des Kopfes abdecken. Zusätzlich dazu gehört eine schwere Verstärkungsschulter die als Schutz für die linke Schulter und Brust dienen. Oben auf dem Schulterpanzer ist ein sehr hoher Brechrand ausgearbeitet, der ebenfalls die linke Kopfseite deckt. Das Wechselarmzeug ist extrem stark gearbeitet, die Ellbogenkacheln extrem vergrößert und die linke Hentze ist ebenfalls extrem verstärkt. Die linke Rüstungsseite wurde meist allein derartig verstärkt, da nur sie beim Turnier gefährdet war.


Die Rüstungsgarnitur wird heute im Kunsthistorischen Museum Wien aufbewahrt[2].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Austro-Hungarian Monarchy. Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, Kunsthistorisches Museum Wien, Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 71, Verlag A. Holzhausen, 1975, Seite 38
  2. Die Garnitur auf den Websites des Kunsthistorischen Museum, Wien, (deut., eingesehen am 21. März 2015)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Austro-Hungarian Monarchy. Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, Kunsthistorisches Museum Wien: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 71. A. Holzhausen, 1975, S. 38.

Weblinks[Bearbeiten]


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