Rossharnisch des Grafen Ottheinrich von der Pfalz

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Ottheinrich, Graf von der Pfalz

Der Rossharnisch des Grafen Ottheinrich von der Pfalz ist eine von acht, sehr ähnlich gestalteten Rüstungen aus dem Besitz von Ottheinrich von der Pfalz (* 10. April 1502 in Amberg; † 12. Februar 1559 in Heidelberg). Ottheinrich war Pfalzgraf von Pfalz-Neuburg von 1505 bis 1559 und Pfalzgraf-Kurfürst von der Pfalz von 1556 bis 1559. Die Rüstungen, oder Teile von ihnen sind heute in verschiedene Museen aufgeteilt. Die hier beschriebenen Rüstungen befinden sich in der Wallace Sammlung n London, sowie dem Musèe de la armèe in Paris. Weitere Teile befinden sich im Historischen Museum München sowie im Metropolitan Museum New York. Ottheinrichs Rüstungen waren alle in den Farben Schwarz, Gold, Silber gehalten, die Ottheinrichs Wappenfarben wiederspiegelten. Ottheinrich wahr moglicherweise Unterstützer des Schmalkaldischen Bundes und nahm an mehreren Kriegszügen, unter anderem der Sickingen-Fehde 1523 oder dem Bauernkrieg 1525 teil. Er war auch Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ("Ritter vom Heiligen Grab").

Beschreibung[Bearbeiten]

Wappen Ottheinrichs und Philips von Bayern
  • Die Rüstung der Wallace Collection London

Die Rüstung besteht aus einer Rüstung für Reiter die aus Helm, Brust. und Rückenpanzer, einen geschobenen Gesäßschutz, Armzeug, Panzerhandschuhen, Tassetten und Beinzeug besteht. Desweiteren aus einem europäischen Rossharnisch der aus Rossstirn, Crinet, Fürbug, Sattel und Krupper besteht. Beide Rüstungen sind nach dem Schmieden schwarz eingefärbt worden. Die Dekorationen sind graviert und anschließend vergoldet. Beide Rüstungen wurden in den Jahren 1532 bis 1536 gefertigt. Die Rossstirn ist mit dem Wappenschild Ottheinrichs ausgestattet, mittig auf der Rossstirn angebracht. Sie besitzt außerdem zwei Ohrenschalen, die zum Schutz der Pferdeohren nach vorn und seitlich dienen. Der Fürbug ist mit ausgetriebenen Domen in Höher der Pferdeschultern geschmiedet, die der Beweglichkeit dienen.

Das Dekor besteht aus unterschiedlichen Motiven wie floralen Mustern, Blatt- und Blütenranken, Darstellungen von Löwen, fliegenden Putten, Kreuzmotiven mit innen angebrachten Blumenmotiven und rund endenden Balkenenden. In fast alle Rüstungsteile sind halbkreisförmige, gerade Linien eingetrieben, die alle vertikal verlaufen und ein Muster ähnlich einem Maximiliansharnisch oder einem Pfeifenharnisch erzeugen. Die Dekorationen sind in Bandform über der ganzen Rüstung angebracht sowie dem Rand an jedem Rüstungsbestandteil. Außerdem sind sie vertikal an Helm, Brustpanter, Rossstirn und Crinet angebracht und teilen die Rüstungsteile in gleichmäßige Felder. Um den Rand der Rossstirn bildet ein Kreuzmuster den Abschluss nach aussen. Auf dem Brustharnisch ist eine vergoldete Dartstellung der Jungfrau Maria mit dem Christuskind angebracht. Der Krupper besteht, wie auch die Satteldecke aus rotem, schwerem Stoff und deckt netzförmig die hintere Rückenpartie des Pferdes ab. Er war nicht mehr im Orginal erhalten und wurde neu angefertigt. Der Harnisch hat ein Gewicht von 26,39 kg, der Rossharnisch 28,47 kg.

Die Beschlagmarken sichern das Herstellungsdatum für die Jahre 1532 mit dem die Rosssstirn gestempelt ist, bis 1536 mit dem der Sattel gestempelt ist. Im Jahre 1800 wurde Heinrichs Schloss Neuburg von Truppen Napoleon Bonapartes (* 15. August 1769 in Ajaccio auf Korsika - † 5. Mai 1821 in Longwood House auf St. Helena im Südatlantik) eingenommen und die Rüstungen für Napoleons private Sammlungen gestohlen. Dadurch kamen im Laufe der Zeit mehrere Bestandteile von verschiedenen Rüstungen in unterschiedliche Sammlungen weltweit, unter anderem in die von Sir Samuel Rush Meyrick , der unter anderem die Sammlungen und die "Line of Kings" des Londoner Towers neu organisierte und einordnete. Die in der Wallace Collection zu sehende Rüstung ist wahrscheinlich aus Teilen verschiedener Rüstungen zusammengesetzt, da die Dekorationene unterschiedliche Motive zeigen.

Die Rüstung wird heute in der Wallace Collection in London aufbewahrt und ist eine der wenigen die noch in der Orginaleinfärbung bestehen, da die meisten Rüstungen diese im Laufe der Zeit verloren haben oder diese absichtlich entfernt wurde. Beide Rüstungen wurden von dem Nürnberger Plattnermeister Hans Ringler (um 1531-1560 tätig in Nürnberg[1]) geschaffen[2],[3].

  • Die Rüstung im Pariser Musèe de la Armèe

Diese Rüstung Ottheinrichs ist sehr ähnlich der ersten gestaltet. Sie besteht aus einem Visierhelm mit Ringkragen, Brust- und Rückenpanzer, komplettem Armzeug wobei an beiden Achseln Brechränder ausgearbeitet sind und die Ellbogenkacheln auffallend groß gearbeitet sind, Tassetten, Beinzeug sowie Panzerhandschuhen und Eisenstiefeln mit angesetzten Sporen. Der Rossharnisch besteht aus Rossstirn, Crinet, Fürbug, Seitenpanzer, Sattel, Krupper und Schweifschutz.

Auch diese Rüstung ist schwarz eingefärbt und mit gravierten, vergoldeten Bändern versehen, die über die Rüstung laufen und die einzelnen Rüstungsbestandteile begrenzen. Am Fürbug und dem Krupper sind jeweils auf der linken- und rechten Seite eine Art Fischmensch, mit menschlichem Oberkörper und Fischschwanz ausgestattet und mit einem Bogen bewaffnet. Die Dekorationen bestehen in den Bändern aus Blumen- und Rankendarstellungen. Auf der Rossstirn ist auf der Mitte ein Wappenschild mit dem Wappen Ottheinrichs angebracht, das ebenfalls geschwärzst und anschließend vergoldet ist. Am Mannsharnisch sind die Dekorationsbänder Bänder ebenfalls vorhanden. Die Ränder der Rüstungsbestandteile sind umgeschlagen und in Seilform gestaltet[4].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wendelin Boeheim, Handbuch der Waffenkunde, Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1890, Fourier Verlag, Wiesbaden 1985, Seite 651, ISBN 978-3-201-00257-8
  2. Die Rüstung auf der Website der Wallace Collection, London, /engl., eingesehen am 17. Dezember 2013)
  3.  Wallace Collection (London, England), A. Vesey B. Norman: Wallace Collection Catalogues: European Arms and Armour Supplement. The Trustees of the Wallace Collection, London 1986, S. 94, 95.
  4. Infos über die Rüstung vom Musèe de l`armèe, Paris, (franz., eingesehen am 18. Dezember 2013)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Duffy, Stephen et al.: The Wallace Collection. Scala Publishers Ltd., London 2011.
  •  Mann, Sir J. G.: Wallace Collection Catalogues: European Arms and Armour Volume I. The Trustees of the Wallace Collection, London 1962.
  •  Norman, A. V. B.: Wallace Collection Catalogues: European Arms and Armour Supplement. The Trustees of the Wallace Collection, London 1986.
  •  Stuart W. Pyhrr, Donald J. LaRocca, Dirk H. Breiding: The Armored Horse in Europe, 1480-1620. Metropolitan Museum of Art, 2005, ISBN 9781588391506, S. ii., 39-41, 44,59, 64, 68,77.

Weblinks[Bearbeiten]


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