Tausierte Garnitur Karl V.

Aus Waffentechnik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Tausierte Garnitur Karl V. wurde um 1530.1535 in Mailand gefertigt. Die ausführenden Handwerker waren die berühmten Plattner der Negroli Familie. Der Harnisch wurde als kleine Garnitur gefertigt. Sie wird heute in der Armeria Real de Madrid aufbewahrt. Mehrere Teile werden in unterschiedlichen Museen aufbewahrt. Ein Paar fingerlose Panzerhandschuhe sind im Museum der Ermitage in Sankt Petersburg, ein Gittervisier im Museum Stibbert in Florenz, sowie ein Rapier im Metropolitan Museum New York.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Tausierte Garnitur Karl V. besteht in der heutigen Zusammenstellung in einer Rüstung für den Einsatz als Infantrie- und als Kavallerierüstung. An zusätzlichen Verstärkungsplatten sind in den Sammlungen noch ein Schild, ein Schwert, zwei gepanzerte Sättel, sowie eine obere Platte für einen Bart einer geschlossenen Sturmhaube. der geschlossene Visierhelm ist mit einem Kamm ausgestattet und das Visier hat unterhalb des Sehschlitzes auf jeder Seite je drei quadratische, größere Luftgeben sowie unterhalb dieser noch auf jeder Seite sechs schlitzförmige, vertikale Luftgeben. Der Helm ist mit verschiebbaren Panzerplatten versehen, die dazu dienen die Luftzufuhr durch die Luftgeben zu regulieren. Zieht man die Platten mit der Hilfe eines kleinen Bolzens an der rechten Helmseite nach hinten, werden die Löcher geöffnet. Schiebt man sie nach vorn werden die Luftgeben geschlossen.

Wahrscheinlich gehörten außerdem drei verschiedene Schwerter zu der Garnitur, worauf man durch die Aufzeichnungen im Inventario General Històrico von 1783 aufmerksam wurde. In den Sammlungen der Armeria sind sechs Schwerter mit Tausierung vorhanden, wovon drei Aufgrund der Dekoration der Rüstung zugeeignet werden konnten (Zitat: "3 Espadas iguales en sus guarniciones"). Eines der Schwerter (Inv.Nr. G 34) gleicht dem Schwert im Metropolitan Museum. Die Dekorationen sind gleich und die Meistermarke lautet auf Daniele de Serravalle. Ein anderes Schwert, ebenfalls goldtausiert (Inv.Nr. G75) trägt die Inschrift "MANDATE DARO", frei übersetzt:"Ich werde geben was mir gegeben wurde"). Das dritte Schwert (Inv. Nr. G 87) ist mit Tausia und Vergoldungen versehen, aber besitzt weder Inschriften noch einen Herstellernachweis und ist wahrscheinlich verloren und nicht mehr zuzuordnen.

Aus den Aufzeichnungen geht hervor das wohl noch mehr Wechselteile existieren, was aber nicht sicher ist. Hierbei handelt es sich um ein Paar halbe Oberschenkelpanzer (span. "medios quixotes"), sowie ein Paar Oberschenkelpanzer in normaler Knielänge (span. "quixotes"), ein Paar Beinschienen, nach den Innenseiten offen (span. "trancadas") An einigen dieser Wechselteile sind Besonderheiten festgestellt worden, die mit denen an anderen Rüstungen Charles V. übereinstimmen. Es ist bekannt das Charles V. an der Konstruktion seiner Rüstungen mitgearbeitet wurde, da er bestimmte Wünsche auf deren Gestaltung hatte. Beispiele dafür sind die Ausbuchtung an den rechten Schulterplatten um mehr Platz für den Lanzenschaft zu haben und die federbewährten Rüsthaken.

Der Visierhelm ist in der exakt gleichen Art gestaltet wie der an der bekannten "Mühlberg Garnitur" die von Desiderius Helmschmid hergestellt wurde, ebenso wie der an der Lacerias- und an der Blumengarnitur, die ebenfalls von Helmschmid hergestellt wurden. In der Mitte des Visiers, vorn am Helm sind Löcher angebracht, die Vermuten lassen das es noch eine Verstärkungsplatte für diese Visier gab, die aber ebenfalls wohl nicht mehr erhalten ist. Des weiteren muss noch ein Visier für den Helm existieren, da sich ein Visier in der Bauart eines Gittervisiers gestaltet ist, in den Sammlungen des Museo Stibbert in Florenz befindlich ist, das in Bauart und Dekoration zu den anderen Teilen der Rüstung passt. Dieses Gittervisier war so gestaltet, das es in Kombination mit einem der anderen Visiere getragen werden konnte und von diesen am Helm überlappt wurde. An der Innenseite des Brustpanzers sind Metallfedern vorhanden, die dazu dienen die Schulter- und Armpanzer fester am Brustpanzer zu halten. Auf der rechten Seite des Brustpanzers, in Höhe der Brust sind vier Löcher angebracht die der Befestigung eines Rüsthakens dienen. Zwei Löcher auf der Außenseite des Panzers dienen dazu den Rüsthaken, wenn er befestigt ist, in zwei unterschiedlichen Positionen zu fixieren.

Die Rüstung ist nicht signiert und es befinden sich keine Inschriften auf ihr. Durch einen Brief Karl V. und durch Vergleiche mit Rüstungen aus dem Besitz Karl V., die unzweifelhaft von den Negrolis hergestellt wurden ist die Zuordnung zu den Negrolis so gut wie sicher. Viele Übereinstimmungen finden sich unter anderem an der Maskengarnitur Karl V., die unzweifelhaft eine Arbeit der Negrolis ist. Aus den verschiedenen Fertigungsarten und der Ausführung der Arbeiten kann geschlossen werden, das nicht nur Filipo, sondern auch seine Brüder, unter anderem auch Francesco, an der Garnitur mitgearbeitet haben, oder sogar die Entwürfe dafür übernahmen. Weiterhin geht aus den erhaltenen Briefen hervor das Philipp II. wohl der Auftraggeber gewesen sein muss und er diese Rüstung als Geschenk für seinen Vater vorgesehen hatte[1].

Dekoration[Bearbeiten]

Die Dekoration, die den gesamten Harnisch überzieht, besteht aus Bändern und Linien unterschiedlicher Breite. Auf dem Brustpanzer werden diese Bänder von oben nach unten schmaler, auf der restlichen Rüstung sind sie gleichbleibend breit. Alle diese Bänder verlaufen vertikal auf allen Einzelbestandteilen der Rüstung. Die Bänder selbst bestehen aus abwechselnd jeweils sieben goldenen- und sieben silbernen Linien. Auf diesen sind in gleichbleibenden Abständen goldene Winkel oder schräg verlaufende Linien aus Goldtausia angebracht, die in der Form von Eichenblättern gestaltet sind. Die Ränder der Linien und Winkel sind wellenförmig gestaltet wobei gleichförmige Linien auch die einzelnen Rüstungsteile abschließen. Des weiteren sind noch Blattranken und Blätter an verschiedenen Stellen vorhanden, wie zum Beispiel an den Seiten der Kniekacheln und auf dem Schild.

Als weiteres sind vier, leicht ovale Medaillons mit der Abbildung der Jungfrau Maria mit dem Christuskind sowie der Heiligen Barbara angebracht. Diese befinden sich Zentral auf dem Brust- und auf dem Rückenpanzer, nahe an den Ringkragen und sind auf beiden Harnischen vorhanden. Diese Medaillons bestehen aus Goldreliefarbeit und sind alle vier unterschiedlich gearbeitet. Sie sind durch Löcher mit dem Harnisch vernietet oder verschraubt und heute kaum noch erhalten. Nur die Umrisse der dort abgebildeten Figuren sind noch sichtbar. Alle Figuren sind von einem Ring aus Wolken umgeben und einem Lichtstrahlenkranz eingerahmt, dessen Strahlen gerade oder gewellt gearbeitet sind. Die Bänder und Dekorationen laufen auf dem Schild sternförmig zusammen. Viele Stellen der Dekorationen auf der Rüstung, aber auch auf den Wechselteilen sind beschädigt und viele Stellen der Vergoldung und der Tausierung unrettbar verloren. Dies geschah durch unsachgemäße und völlig übertrieben Versuche der Reinigung und Neupolitur. Ursprünglich war die Rüstung geschwärzt, wovon allerdings auch kaum etwas, bis auf verbliebene, kleine Reste an dem Bart und dem Rüsthaken erhalten ist[2].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stuart W Pyhrr, Heroic Armor of the Italian Renaissance: Filippo Negroli and his contemporaries, Illustriert von Filippo Negroli, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1998, ISBN 978-0-87099-872-0
  2. Stuart W Pyhrr, Heroic Armor of the Italian Renaissance: Filippo Negroli and his contemporaries, Illustriert von Filippo Negroli, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1998, ISBN 978-0-87099-872-0

Weblinks[Bearbeiten]


Info Sign.svg Der Inhalt von Tausierte Garnitur Karl V. ist im WaffenTechnikWiki entstanden. Es kann sein, dass diese Information nur hier verfügbar ist.