Tonnenrockharnisch für den Fußkampf Heinrich VIII.

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Der Tonnenrockharnisch für den Fußkampf Heinrich VIII. ist eine englische Rüstung, die für König Heinrich VIII. von England für das "Field of Cloth of Gold" Turnier im Jahre 1520 gefertigt wurde. Die Rüstung ist speziell für Fußturniere gefertigt und vom Typus ein typischer Tonnenrockharnisch. Für Fußturniere wurden in der Fertigungszeit Tonnenrockharnische bevorzugt, da der Rock eine gelungene Mischung zwischen Beweglichkeit und dem Schutz der Beine darstellte.

Beschreibung

Die Tonnenrockharnisch für den Fußkampf Heinrich VIII. wurde aus Teilen bestehender Rüstungen zusammengestellt, die zum Teil aus England, Italien und Flamen stammten. Die Zusammensetzung aus bestehenden Teilen kam wahrscheinlich daher, das neue Regelungen für die Veranstaltung spät bekanntgegeben wurden und so nicht mehr genügend Zeit vorhanden warm um eine adäqate neue Rüstung für Heinrich VIII.zu fertigen. Ursprünglich diente die Geschlossene Rüstung für den Fußkampf Heinrich VIII. als Turnierrüstung, wurde aber Aufgrund der neuen Regelungen verworfen. Das zu Teilen auch eine Kriegsrüstung verwendet wurde, lässt sich durch das Beinzeug belegen. Auf der Rückseite beider Unterschenkelpanzer sind Löcher angebracht, die zur Befestigung von Sporen dienen, die für eine Kriegsrüstung zum berittenen Einsatz wichtig sind, aber bei einem Harnisch zum Fußkampf völlig überflüssig.

Von allen Einzelbestandteilen des Harnischs wurden nur der Tonnenrock und die beiden Schulterpanzer von den Plattnern Heinrichs neu gefertigt. Die Rüstung besteht aus Helm, Brust- und Rückenpanzer, Schulterpanzern, dem kompletten Armzeug mit Panzerhandschuhen, dem Tonnenrock, sowie dem Beinzeug und Panzerstiefeln.


  • Helm

Der Helm der Rüstung besteht aus einem sogenannten Grand Bacinet, der "Großen Beckenhaube" und wurde mit einem modifizierten Visier ausgestattet. Das "Blasebalgvisier", so benannt wegen der Ähnlichkeit mit den Falten im Luftsack eines Blasebalges, war Ursprünglich mit mehreren, horizontalen, recht- und dreieckigen Schlitzen und runden Löchern zur Durchsicht und Belüftung ausgestattet. Da dies wohl nicht genug Sicherheit bot, wurde von Innen eine weitere geschlitzte Panzerplatte angebracht und mit dem äusseren Visier vernietet um die Schutzwirkung zu erhöhen. Der Helm ist mit Beschlagmarken der Familie Missaglia, einer Plattnerdynastie aus Mailand gestempelt. Auf dem Helm sind Spuren von Schwertschlägen nachweisbar, die in Form und Position anderer Schlagmarken sehr ähnlich sind. Da aber der Helm von einem älteren Harnisch stammt ist es nicht nachzuweisen ob die Schlagmarken aus dem Turnier stammen, oder einem früheren Kampf. An den Dekorationen auf dem Helm und speziell des Ringkragens, ist die hastige Herstellung der Rüstung deutlich zu sehen. Die Dekorationen auf dem Helm sind schnell und nicht unbedingt korrekt ausgeführt worden, sollten aber dem Harnisch eine einheitliche Dekoration bieten, so als ob er als neue Rüstung zusammengehörig hergestellt wurde. Als Beispiel für diese nicht handwerklich korrekten Dekorationen, die als Gravuren und Ätzarbeiten ausgeführt wurden dient die Ordenskette des Order of the Garter, die um den Hals herumläuft, während das eigentliche Ordensband über dem linken Knie getragen wurde. Die Ungenauigkeiten der Ausführung, bedingt durch die Hast sind gut sichtbar.


  • Achseln

Die Schulterpanzer wurden speziell für die neue Zusammenstellung in den Royal Workshops in Greenwich gefertigt. Die Dekoration ist für beide Platten unterschiedlich gestaltet. Auf der rechten Achsel ist eine Darstellung des Heiligen Georg, dem Schutzpatron Englands im Kampf mit dem Drachen angebracht. Die linke Achsel ist mit einer Abbildung der Jungfrau Maria mit dem Christuskind angebracht, die ein Symbol für Frömmigkeit und Schutz darstellte. Der Brustpanzer ist nach der zu dieser Zeit bevorzugten Mode gefertigt. Es war zu bestimmten Zeiten üblich die Rüstungen der vorherrschenden Mode in den Dekorationen und der Konstruktion anzupassen und deren Eigenheiten zu übernehmen. Dies zeigte sich besonders bei der Herstellung der sogenannten Kostümharnische.


  • Armzeug

Besonders hervorzuheben ist die Ausfertigug des Armzeuges im Bereich der Armbeugen und der anderen, normalerweise nach innen offenen Rüstungsteiele. Hier haben die Plattner Heinrichs besonderen Wert auf Schutz gelegt, da die ansonsten offenen Bereiche durch eine komplizierte aber wirksame Panzerung von überlappenden ("geschobenen"), kleinen Panzerplatten geformt wurde, die auch an anderen Rüstungen Heinrichs zu sehen ist.


  • Tonnenrock

Der Tonnenrock besteht aus untereinanderliegenden Ringen aus Stahl, wobei der nachfolgende Ring unter dem anderen jeweils immer ein wenig mehr Umfang hat als derjenige davor. Die Ringe sind untereinander verbunden, aber übereinander verschiebbar, so das der fertiggestellte Rock flexibel ist. Der Verschluss erfolgt auf der rechten Körperseite durch angebrachte Scharniere, während die linke Seite mit mehreren Lederbändern und Gürtelschnallen verschlossen wird. Am linken Unterschenkelpanzer ist das Ordensband des "Orders of the Garter" ("Hosenbandorden") eingeätzt, da Heinrich VIII. selbst Ordensträger war, ist sein perönlicher Wahlspruch "HONI SOIT QUI MAL Y PENSE " ("Schande dem, der böses darüber denkt") ebenfalls dort angebracht. Die Grunddekoration besteht aus geätzten Pflanzen, Blattranken, Blumen und Linien.Das Hauptelement bilden sich wiederholende Darstellungen der Tudor-Rose, dem Wappensymbol der Familie Heinrich VIII.


  • Beinzeug

Teile des Beinzeuges waren von der restlichen Rüstung getrennt und wurden erst im Jahre 1957 wieder mit der restlichen Rüstung zusammengeführt. Diese Teile wurden in der Sammlung der Familie Dymoke aufbewahrt. Die Dymokes dienten als die königlichen Champions, einem Titel der weitervererbt wurde. Die vermissten Stücke wurden auf ihrem Stammsitz Scrivelsby Court in Lincolnshire aufbewahrt. Zur Rüstung gehört auch noch ein englischer Zweihänder aus dem Besitz Heinrich VIII., seine bevorzugte Waffe bei Fußturnieren[1],[2] .

Einzelnachweise

  1. Website der Royal Armouries, (eingesehen am 14. Dezember 2013)
  2.  Thom Richardson, Royal Armouries: The armour & arms of Henry VIII. Royal Armouries, 2002, ISBN 978-0-948092-49-7, S. 6,20,21 (engl.).

Literatur

  •  Thom Richardson, Royal Armouries: The armour & arms of Henry VIII. Royal Armouries, 2002, ISBN 978-0-948092-49-7, S. 6,20,21 (engl.).
  •  Alan R. Williams: The Knight and the Blast Furnace: A History of the Metallurgy of Armour in the Middle Ages & the Early Modern Period, Band 12 von History of warfare. BRILL, 2003, ISBN 978-90-04-12498-1, S. 219-220 (engl.).
  •  Glenn Richardson: The Field of Cloth of Gold. Yale University Press, 2014, ISBN 978-0-300-16039-0 (engl.).

Weblinks


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