Turnierrüstung Karl V.

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Die Turnierrüstung Karl V. auch Valladolid-Rüstung ist eine Rüstung für Mann und Ross, die um 1520 von dem deutschen Plattner Kolman Helmschmid (*1470-†1471 oder 1532 Augsburg) Für Karl V. (* 24. Februar 1500 in Gent; † 21. September 1558 im Kloster San Jerónimo de Yuste, Extremadura) hergestellt wurde. Zu dieser Rüstung, die ursprünglich als Garnitur gefertigt wurde, gehört auch noch ein Tonnenrockharnisch, der sogenannte Tonnenrockharnisch Karl V. auch als "Jagdrüstung" bekannt.

Beschreibung

Reiterharnisch

Der Reiterharnisch besteht aus einem Stechhelm (Krötenkopfhelm), Brust- und Rückenpanzer, komplettem Armzeug, Tassetten, Beinzeug Panzerstiefeln bestehend aus Kettenpanzerung mit Zehenkappen und Panzerhandschuhen, die auf der rechten Seite jeweils zwei Finger zusammenfassen, wohingegen die rechte Seite mit einem verstärkten Panzerhandschuh vom Typus einer Hentze versehen ist. Der linke Arm ist zusätzlich mit Verstärkungsteilen ausgestattet, die Unter- und Oberarm sowie die linke Schulter schützen. Eine zusätzliche Verstärkungsplatte für den Brustpanzer ist ebenfalls vorhanden, ebenso wie eine verstärkte linke Tassette. Auf der linken Brüstseite ist eine Befestigungsmöglichkeit für eine Stechtartsche mit den typischen Brechleisten, die ebenfalls noch vorhanden ist. Auf der Stechtartsche sind die Reste einer Gravur zu sehen, die im Laufe der Zeit verblasst ist. Auf der rechten Brustseite ist ein Rüsthaken zum Auflegen der Turnierlanze angebracht.

Die Dekoration besteht unter anderen aus doppelten Linien die mit Gravur und anschließender Feuervergoldung versehen sind. Diese begrenzen die einzelnen Rüstungsbestandteile am äusseren Rand. Ein drittes gerades Band trennt die beiden anderen Bänder. Jedes Band ist mit eigenen Motiven ausgestattet. Am Halsausschnitt des Brustpanzers ist eine Darstellung des Orden vom Goldenen Vlies angebracht, dessen Träger Karl V. war[1].

Helm

Der Helm der Rüstung ist ein typischer Stechhelm der Herstellungszeit. Er ist außergewöhnlich schwer und wiederstandsfähig gearbeitet. Er wiegt 9 kg und besitzt eine Materialstärke von 3 bis 4 mm an den Seiten und 10 mm am Sehschlitzbereich, der die meisten Treffer abzuwehren hatte. Die Helmvorderseite ist blank und glatt poliert um möglichst wenig Reibungswiederstand zu bieten. Auf der linken Helmseite ist eine Luftgebe angebracht, die zur besseren Belüftung des Helmes und so einer besseren Luftzufuhr für den Träger dient. Die linke Helmseite ist mit Darstellungen verschiedener Monster oder mythologischer Tiere verziert die alle Flammen spucken.

Beinzeug

Die Beinschienen sind nach hinten zur Hälfte offen und mit vertikalen Zierbändern versehen, die ebenfalls im Innenbereich mit Darstellungen versehen sind. Entlang des Mittelgrates auf der Vorderseite sind Bänder geätzt, die mit Darstellungen von Vasen mit Blumen, Blättern und Waffentrophäen verziert sind. Die Kacheln der Knie und die Oberschenkelpanzer sind ähnlich verziert, gehören aber ursprünglich nicht zu diesem Harnisch. Sie wurden im 19. Jahrundert zur Rüstung hinzugefügt um sie zur Ausstellung zu vervollständigen.

Der Rossharnisch

Der Rossharnisch besteht aus einer Rossstirn, einem Crinet mit einem Halschutz aus Schuppenpanzerung, Fürbug, einem Turniersattel mit hohem Zeug, Seitenplatten, einem Krupper mit anhängbaren Seitenteilen, sowie einem Schweifschutz in der Form eines Widderkopfes. Der Fürbug besitzt auf jeder Seite ausgetriebene, kuppelartige Austreibungen, die der Beweglichkeit der Beine des Pferdes dienen. Diese sind jeweils in der Form eines Löwenkopfes gestaltet.

Der Krupper ist an der Ober- und den Seitenflächen mit Gravuren ausgestattet, die auf biblischen Darstellungen gründen. Auf der rechten Seite des Kruppers ist der Kampf Davids gegen Goliath von Gath zu sehen, auf der linken Seite Samsons Kampf gegen die Philister. Der untere Rand von Krupper, Seitenplatten, Fürbug und Rosstirn sind mit breiten, doppelten, ausgetriebenen Bändern in Form von geflochtenen Seilen ausgestattet, die im Innerern mit halbkugeförmigen versehen sind. Wenig oberhalb, anschließend an die Bänder sind Eichnblätter geaätzt dargestellt. Die oberen Ränder von Fürbug und Krupper. etwa in der vertikalen Mitte des Rossharnischs sind ebenfalls mit Bändern versehen, an denen dekorative Quasten ausgearbeitet sind. Auf der linken Seite des Kruppers war ursprünglich ein Schild mit dem Imperialen Adler angebracht, das heute jedoch als verloren gilt. Die Pferde-oder Satteldecke ist ebenfalls noch erhalten. Sie besteht aus grünem, schweren Stoff, der mit einer breiten, goldfarbenenen Borte Verziert ist. Auf den Seiten, jeweils vorn und hinten, ist jeweils ein doppelköpfiger Adler eingestickt. Am Aussenrand ist die Decke mit goldenen Fransen versehen.

Rossstirn und Sattel

Die Rossstirn ist am oberen Ende mit aus Stahl getriebenen, hohlen Hörnern eines Widders versehen, die gleichzeitig als Dekor, sowie als Schutz für die Ohren des Pferdes dienen. Auf der Mitte der Vorderseite ist ein vergoldestes Wappenschild vefestigt, das das Wappensymbol des Kaisers, einen doppelköpfigen Adler zeigt. Die Seilbänder wie auch die Quasten, die auch an den anderen Rüstungsteilen ausgearbeitet sind finden sich hier ebenfalls. Das Zaumzeug besteht ebenfalls aus verziertem Stahl, der Zügel besteht aus Leder das mit rechteckigen, verzierten Platten beschlagen ist.

Der Sattel ist wie bei den Turniersätteln üblich mit vorderen- und hinteren Panzerplatten ausgestattet. Der äussere Rand ist ebefalls wie der Rossharnisch mit Bändern und den halbkugelförmigen Austreibungen versehen.

Das Gewicht des Rossharnischs beträgt etwa 44 kg ohne den Reiterharnisch und die Decke.


Beide Rüstungen, der Mannsharnisch wie auch der Rossharnisch gehören zur sogenannten "Valladolid-Garnitur", Inventarnummer der Armeria Real Nr. A-37 bis A-42, benannt danach das sie höchstwahrscheinlich bei den festlichen Aktivitäten in Valladolid im Jahre 1518 zu Ehren des ersten Besuches Karl V. in Spanien, als er noch nicht gekrönt war. Weder der Mannsharnisch noch der rossharnisch tragen Beschlagmarken so das durch einen Beschlag der Hersteller nicht zu bestimmen ist. Die stilistische Ausführung verweisen die Rüstungen jedoch eindeutig auf Kolman Helmschmid aus Augsburg, der bevorzugter Plattner des späteren Kaisers Karl V. war. Eine eindeutige Darstellung des Rossharnischs im "Inventario Illuminato" führt dazu, das er in den Beständen der Armeria Real de Madrid seit dem Jahre 1594 ohne Unterbrechung nachweisbar ist[2], [3].

Einzelnachweise

  1. Antonio Domínguez Ortiz, Concha Herrero Carretero, José-A. Godoy, Patrimonio Nacional, Metropolitan Museum of Art, Resplendence of the Spanish Monarchy: Renaissance Tapestries and Armor from the Patrimonio Nacional, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1991, Seite 118 bis 123, ISBN 978-0-87099-621-4
  2. Albert Frederick Calvert, Spanish arms and armour: being a historical and descriptive account of the Royal armoury of Madrid, Verlag J. Lane, 1907, Bildtafel 23,46
  3. Antonio Domínguez Ortiz, Concha Herrero Carretero, José-A. Godoy, Patrimonio Nacional, Metropolitan Museum of Art, Resplendence of the Spanish Monarchy: Renaissance Tapestries and Armor from the Patrimonio Nacional, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1991, Seite 118 bis 123, ISBN 978-0-87099-621-4

Weblinks


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