Turnierrüstung Philipp I.von Kastilien

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Die Rüstung auf einer Zeichnung aus: Boeheim. Handbuch der Waffenkunde

Die Turnierrüstung Philipp I.von Kastilien ist eine spanische Turnierrüstung die etwa im Jahre 1500 für Philip I. von Kastilien gefertigt wurde. Sie diente einer spanischen Version des Turniers, die "Justa Real" (span. "königliches Turnier", engl. "Royal Joust") genannt wurde, ähnlich dem deutschen Gestech mit stumpfen Lanzen, bei dem es darum ging den Gegner aus dem Sattel zu heben oder die Lanzen zu Brechen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Turnierrüstung Philipp I.von Kastilien ist eine typische spanische Gestechrüstung und an allen Rüstungsteilen extrem stabil gearbeitet, und besitzt ein hohes Gewicht.

Der Helm[Bearbeiten]

Dieser spanische Stechhelm (span. "Almete") ähnelt den deutschen Stechhelmen, den sogenannten "Froschmaulhelmen". Er ist aus drei Einzelteilen zusammengesetzt, die untereinander vernietet sind. Der Sehschlitz ist sehr schmal und so gearbeitet, das eine Sicht nur bei nach vorn unten geneigtem Kopf möglich ist. Er ist mit einer rechtsseitigen großen Luftgebe ausgestattet und der untere Rand ist nach außen umgebogen und sitzt in getragenem Zustand auf den Schulterteilen des Brustpanzers auf. Nieten um den Helmrand befestigen ein Innefutter aus Leder. Am Helm sind an der Außenseite, vorn an dem Helmrand Vorrichtungen angebracht, um den Helm mit dem Brustpanzer zu Verbinden um während des Turniers den Helm zu sichern. Diese Art der Sicherung besteht aus einer breiten Messinglasche die mit einem Scharnier zum Klappen versehen ist, sowie mit vier Löchern, die mit Bolzen auf dem Brustpanzer verbunden werden können. Die Bolzen und Nieten auf dieser Befestigung sind als Rosetten gearbeitet. Auf der Helmrückseite ist eine Beschlagmarke in Form einer Fleur-de-Lis eingeschlagen.

Der Brustpanzer[Bearbeiten]

Der Brustpanzer besteht aus einer schweren, leicht rund ausgetriebenen Stahlplatte. Darüber ist eine zweite Platte zur Verstärkung angebracht, ebenso wie eine halbe Verstärkungsplatte auf dem Rückenpanzer, auf der linken Seite. Auf dem eigentlichen Brustpanzer ist eine Öse angebracht, die mit einer Rosette aus Messing umgeben ist. Die Öse dient zur Befestigung der Verstärkungsplatte. Vier schwere, stabile Messingringe sind ebenfalls am Brustpanzer angebracht, die als Befestigungshilfe für die Waffen des Turniers dienen, damit sie nicht verloren gehen und in reichweite sind. Etwas darüber sind zwei Bolzen abgebracht, die auch zur Befestigung der Verstärkungsplatte dienen. Der gesamte Brustpanzer ist mit Goldbrokat überzogen und mit diesem zusammen vernietet. Unten am Brustpanzer sind vier kleine Panzerplatten angebracht, an die eine Tasche aus Leder angenietet ist, die zur Aufnahme der Lanze beim Aufreiten auf den Turnierplatz dient. Auf der rechten Brustseite, auf der Verstärkungsplatte ist ein Rüsthaken mit einer Vorrichtung befestigt, der zur Auflage der Lanze beim Anreiten gedacht ist. Der Rüsthaken besteht im Kern aus Holz und ist mit Eisen eingefasst und mit dem Holz vernietet. Das Holz ist mit Brokat überzogen. An der oberen linken Seite, neben der Helmarretierung ist noch ein beweglicher Bolzen (span. "Flaon") angebracht, der zur Verschraubung und Befestigung mit einer Renntartsche dient. Die inneren Oberflächen des Brust- und Rückenpanzers sind mit einem Muster gepunzt, welches das Wappen der Stadt Valencia zeigt. Eine weitere Verstärkungsplatte ist mit einem Lederriemen um die Hüfte zu Tragen, die die linke Seite, ähnlich wie die Tassetten, von der Brust bis auf den Oberschenkel schützt. Alle Stahlteile sind mit Zinn überzogen um das Material vor Rost zu schützen.

Das Armzeug[Bearbeiten]

Die Schulter- und Oberarmpanzer (Achseln) sind asymetrisch gearbeitet. Auf der rechten Seite ist eine Verstärkungsplatte auf dem Schulterpanzer angebracht und die Ellbogenkachel ist vergrößert und mit einer kleineren Kachel darunter verbunden. Die Panzerhandschuhe sind nicht wie sonst üblich als Paar gearbeitet. Die linke Hentze ist heute unvollständig, die rechte als Fäustling gearbeitet und fünffach geschoben. Sie ist mit einer spanischen Marke eines unbekannten Plattners versehen.

Die Dekoration[Bearbeiten]

Die Dekorationen am Harnisch sind unterschiedlich ausgeführt. Sie wurden mit Gravur und Punzierungen ausgeführt, sowie Vergoldung an den Verzierungen angebracht. Die Dekorationen bestehen aus Darstellungen von Pflanzen, Blattranken, und Blumen. [1], [2].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Antonio Domínguez Ortiz, Concha Herrero Carretero, José-A. Godoy, Patrimonio Nacional, Metropolitan Museum of Art, Resplendence of the Spanish Monarchy: Renaissance Tapestries and Armor from the Patrimonio Nacional, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1991, Seite 110 bis 113, ISBN 978-0-87099-621-4
  2. Calvert Frederick, Spanish Arms and Armour, Being a Historical and Descriptive Account of the Royal Armoury of Madrid, Verlag BiblioBazaar, LLC, 2009, Tafel 15c, ISBN 978-1-110-30831-6

Literatur[Bearbeiten]

  •  Noel Fallows: Jousting in Medieval and Renaissance Iberia, Band 3 von Armour and weapons. Boydell Press, 2010, ISBN 978-1-84383-594-3.

Weblinks[Bearbeiten]


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