Turnierrüstung von Sir James Scudamore

Die Rüstung von Sir James Scudamore im Metropolitan Museum

Die Turnierrüstung von Sir James Scudamore auch Skidmore, Skidmur oder Skidmuer (*1568 Holme Lacy–†1619 ebenda) ist eine englische Rüstung, die in den Almain Armourers Royal Workshops in Greenwich gegen 1595–1596 unter Jacob Halder gefertigt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Turnierrüstung von Sir James Scudamore ist als reine Turnierrüstung entworfen und gebaut. Sie war Teil einer sogenannten Grossen Garnitur, wovon aber heute wahrscheinlich nur diese Rüstung erhalten ist. Die Rüstung besteht aus einer offenen Sturmhaube mit ansteckbarem fürfallendem Bart, einem Brust und Rückenpanzer, Tassetten, Armzeug und halben, geschobenen Beinschienen. Die Dekoration ist in goldenen Bändern ausgeführt, wobei in den Breiteren band-, ring- und schlaufenförmige Verzierungen eingebracht sind. In den schmalen Bändern sind keine Streifenverzierungen angebracht, sondern die gesamten Bändern sind graviert und anschließend vergoldet. Auf beiden Wangenklappen der Sturmhaube sind runde Abbildungen mit der Göttin Justicia angebracht, die von einem Lorbeerkranz umrandet sind.

Die Rüstung wurde etwa 1595–1596 in den Werkstätten von Greenwich unter Jacob Halder gefertigt. Vermutlich ließ Scudamore die Rüstung für seinen Angriff in der Schlacht von Cadiz 1596 fertigen, um diesen zu feiern. Nachher entstandene Pörtraits, die noch heute in Familienbesitz sind, zeigen ihn in eben dieser Rüstung. Diese und die andere Rüstung die den Scudamores zugeschrieben werden wurden in einem unglaublich schlechten Zustand im Jahre 1909 in Holm Jacy gefunden. Die hier beschriebene diente zeitweise als Vogelscheuche. Teile der Rüstung waren unrettbar verloren oder so stark beschädigt das eine Herrichtung mit den noch vorhnandenen Bestandteilen nicht mehr möglich war. Das Metropolitan Museum in New York übernahm 1915 die Restauration der Rüstungen und beauftragte den Plattner Daniel Tachaux mit der Arbeit. Teile der Rüstung wie Brust- und Rückenpanzer sowie die Panzerhandschuhe wurden von Tachaux wieder hergestellt und neu geschaffen[1].

James Scudamore

Sir James Scudamore

Sir James Scudamore war ein sogenannter "Gentleman Usher", ein Offizier des königlichen Haushaltes der Königin oder des Königs von England. Scudamore war Gentleman Usher unter Königin Elizabeth I. Er war der älteste Sohn des ebenfalls am Hofe dienenden Sir John Scudamore, der den Titel des "Custos Rotulorum", des "Bewahrer der Aufzeichnungen" und somit der höchste zivile Beamte im Staat. Seine Mutter war Eleonore Croft, die Tochter des ehemaligen Lord Deputy von Irland, James Croft. Bereits als junger Mann trat er als Kavallerist in die Armee ein und erwarb sich großen Respekt in Turnieren unter anderem dem Accession Day tilt, auch bekannt als Turnier am Tag der Königin unter Elisabeth I. im Jahre 1595. sein Wahlspruch oder seine Farben bei dem Turnier waren auf sein Schild gemalt und lautete "L'escu D'amour" (franz. "Schild der Liebe"), das eine genaue Übersetzung seines Familiennamens aus dem Normannischen war. Das Schild war herzförmig gestaltet und mit dem Bild einer Schildkröte verziert. Sir James Scudamore nahm ab dem Jahre 1600 an jedem Turnier teil. Das "Accession Day tilt" war das wichtigste Turnier des Jahres für die englische Ritterschaft, was aber mit imensen Kosten verbunden war. Scudamore zahlte für jedes Turnier eine Summe von 12.000 englischen Pfund[2].

William Higford, ein englischer Gelehrter schrieb über ihn:

Zitat:A knightte on horseback is the goodliest sight the worlde can presente to viewe; and is not lesse than a Prince...mee thinkes I see sir James Scudamore...enter the Tilte yarde in a handsome equippage all in compleate Armor, embelished with plumes, his beaver close, mounted vppon a verie highe boundinge horse. I haue seene the shoes of his horse glister aboue the heades of all the people. And when hee came to the encounter or shocke, brake as manie spearse as the beste, Her majestie Queene Elizabeth with a trayne of ladies like the starres in the firmamente, and the whole Courte lookinge vppon him with a verie gratious aspecte. And when hee came to reside with sir John Scudamore his father (two braver gentlemen shall I neuer see togeather att one time, much more a sonne and a father)...Holme Lacie att that time seemed not onlie an Academia, but euen the verie Courte of a Prince.[3]

Scudamore war Aufgrund von Abstammung oder Karriere keine besondere Persönlichkeit und hatte keinen Einfluss am Hof. Was ihn jedoch erhob war seine Gestalt, er war aussergewöhnlich groß für seine Zeit und sehr muskulös, was an den Abmessungen seiner Rüstung zu erkennen ist, sowie seinen Erfolgen im Turnier. Die Teilnehmerlisten von den Accession Day Tilts an denen er teilgenommen hat, sind noch heute einzusehen[4].

Eine besondere Ehrung wurde ihm zuteil, als Königin Elisabeth I. bei einem Turnier auf seinem eigenen Turnierplatz in Holme Lacy, seinem Geburtsort, anwesend war. Er nahm an der Schlacht von Cadiz teil und wurde vom Earl of Essex zum Ritter geschlagen. Er gingim Jahre 1600 in Rente und widmete sich danach einer politischen Karriere und, zusammen mit seinem Vater, der Ausbildung von Pferden. 1601 wurde er High Sheriff of Herefordshire und Mitglied des Parlaments von Herefordshire.

Es wird stark vermutet, oder es ist fast sicher, das er als Vorbild für eine der Hauptcharaktere (Scudamore) in dem englischen Poem "The Faerie Queene" von Edmund Spenser diente[5].

Sir James Scudamore verstarb im Jahre 1619. Seine Todesursache ist nicht bekannt. Vermutlich verstarb er an den Spätfolgen einer alten Beinverletzung.

Einzelnachweise

  1. Website des Metropolitan Museum New York, (engl., eingesehen am 09. Oktober 2013
  2. Ian Atherton, Ambition and Failure in Stuart England: The Career of John, First Viscount Scudamore Politics, culture, and society in early modern Britain, Verlag Manchester University Press, 1999, Seite 36, ISBN 978-0-7190-5091-6
  3. Ian Atherton, Ambition and Failure in Stuart England: The Career of John, First Viscount Scudamore Politics, culture, and society in early modern Britain, Verlag Manchester University Press, 1999, Seite 35, ISBN 978-0-7190-5091-6
  4. Roy C. Strong, The Cult of Elizabeth: Elizabethan Portraiture and Pageantry, Verlag University of California Press, 1977, Seite 206-212, ISBN 978-0-520-05840-8
  5. Website des Britain Express, (engl., eingesehen am 09. Oktober 2013)

Literatur

  •  Ian Atherton: Ambition and Failure in Stuart England: The Career of John, First Viscount Scudamore

Politics, culture, and society in early modern Britain. Manchester University Press, 1999, ISBN 978-0-7190-5091-6.

Weblinks