Verstärkungs- oder Wechselteile

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Darstellung der Rüstungsgarnitur des Sir George Clifford, Earl of Cumberland aus dem Jacob Halder Album im Victoria and Albert Museum

Verstärkungs- oder Wechselteile engl. "Reinforce plates" sind austauschbare Panzerplatten, die in ihrer Form normalen Teilen einer üblichen Rüstung zu Beginn des 16. Jahrhunderts gleichen.

Beschreibung

Am Beginn des 16. Jahrhunderts verloren die Rüstungen der Ritterschaft, bedingt durch das Aufkommen der Feuerwaffen immer mehr an Bedeutung für das Kriegshandwerk. Die Rüstungen wurden mehr zu einem Prestige- und Luxusobjekt für den Träger als eine wirksame Verteidigungswaffe.

Für die zu dieser Zeit beliebten Turniere wurden bedingd durch verschiedene Turnierarten mehrere Turniertaugliche Rüstungen benötigt, die aber extrem teuer waren. Aus diesem Grund kam man auf die Idee eine Grundrüstung herzustellen, die Kampftauglich- oder aber reine Prunkrüstungen waren, und diese mit maßgefertigten Bauteilend, die jeweils passen für die unterschiedlichen Turniere auszustatten. Die Herstellung dieser Einzelstücke war wesentlich billiger als die Herstellung jeweils einer Rüstung für ein bestimmtes Turnier. Diese Verstärkungs- oder Wechselteile wurden der Grundrüstung in Form und Dekoration angepasst und verstärkten beim Tragen diejenigen Rüstungsbereiche, die bei den verschiedenen Turnieren am stärksten belastet wurden. Diese Rüstungen, zusammen mit Ihren Verstärkungs- und Wechselteilen bezeichnete man. je nach Menge dieser Teile als "Grosse- oder Kleine Garnitur". Die "Grossen Garnituren" bestanden aus bis zu etwa 80 Einzelstücken. Als beste und vollständigste Garnitur gilt heute die "Adlergarnitur", die im Kunsthistorischen Museum Wien aufbewahrt wird.


Meist handelte es sich um folgende Bestandteile der Rüstung die durch Verstärkungs- oder Wechselteile ausgetauscht- oder verstärkt werden konnten:

  • Helm oder Verstärkungsplatten für Vorderkopf oder Oberseite eines Helmes.
  • Bart auch "Vorhelm", ganz den Kinnbereich abdeckend oder nur die linke Hälfte.
  • Brust, meist auf der linken Seite, je nach Händigkeit.
  • Achsel, gesamter Schulterpanzer, meist links.
  • Ellbogenkachel, meist links.
  • Unterarmpanzer, meist links.
  • Panzerhandschuh, meist links.
  • Tassetten, verstärkt oder aus einer Platte, meist links
  • Oberschenkel, durch die Streiftartsche oder die Dilge, rechts- oder auch links.
  • Unterschenkel. meist links.
  • Zusatzbauteile für eine Rüstung für den Kampf zu Fuß (Tonnenrock)
  • Panzerschuhe oder Panzerstiefel, aber auch schwere Doppelschuhe, meist links.
  • Vergrößerte Brechscheibe und Brechschild an der Lanze
  • Verstärkte Rossstirn am Rossharnisch[1]

Am Ende der Entwicklung der Wechselteile, als die Feuerwaffen die Rüstungen fast überflüssig machten und auch die Turniere aufhörten, wurde das System der Wechsel- und Verstärkungsteile dazu benutzt normale Kampfrüstungen kugelsicher zu machen. Manche Rüstungen wurden von der Herstellung an schon kugelfest gestaltet, andere durch einen standartmäßigen, kugelfesten Helm und eine Verstärkungsbrustplatte, die auf dem schon vorhandenen Brustpanzer angesetzt wurde im Nachhinein kugelfest erweitert. Als Beispiel dient hier die Arkebusierrüstung Pedro II. [2]

Galerie

Einzelnachweise

  1. Auguste Demmin, Die Kriegswaffen in ihrer historischen Entwickelung von der Steinzeit bis zur Erfindung des Zündnadelgewehrs: ein Handbuch der Waffenkunde, Verlag Seemann, 1869, Seite 475 - 487
  2. Arbeit über die Rüstung Pedro II. von Portugal von Donald LaRocca im Metropolitan Museum New York, PdF-Datei, (engl., eingesehen am 08. Dezember 2013)

Literatur

  •  Roberto Capucci, Christian Beaufort-Spontin, Kunsthistorisches Museum Wien: Roben wie Rüstungen. Das Bundesministerium, 1990, ISBN 978-3-900926-07-6, S. 312.
  •  Hubert Glaser, München. Residenz: Um Glauben und Reich: Kurfürst Maximilian I., Band 2 von Wittelsbach und Bayern. Hirmer, 1980, ISBN 978-3-7774-3190-1, S. 149.

Weblinks


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